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In dieser Lektion der Cannstatt Study Hour 2019 Q2 mit dem Titel „Familien Zeiten“ spricht Olaf Schröer über die Herausforderungen und Bewältigungsstrategien in Zeiten des Verlustes. Er beleuchtet verschiedene Arten von Verlusten, von Gesundheit und Vertrauen bis hin zu Freiheit und dem Leben selbst. Die Ausführungen bieten biblische Perspektiven und praktische Ratschläge, wie man mit Verlusten umgehen und Heilung finden kann.

In dieser Lektion der Cannstatt Study Hour 2019 Q2 mit dem Titel „Familien Zeiten“ spricht Olaf Schröer über das Thema „Zeiten des Verlustes“. Er beleuchtet verschiedene Arten von Verlusten, wie den Verlust von Gesundheit, Vertrauen, Freiheit und Leben, und gibt biblische und praktische Anleitungen, wie man mit diesen schwierigen Erfahrungen umgehen kann. Der Fokus liegt auf der Bedeutung von Vergebung, dem Wiederaufbau von Vertrauen und der Hoffnung, die im Glauben gefunden werden kann.


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Serie: Cannstatt Study Hour 2019 Q2: Familien Zeiten

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Transkript

[0:00] Herzlich willkommen zur Cannstatt Study Hour. Wir haben jetzt das zweite Viertel 2019 und wir nehmen heute Lektion Nummer 9 durch: Zeiten des Verlustes. Die Gesamtthematik lautet Familienzeiten. Es ist schön, wenn wir uns in diesem Viertel mit der Thematik auseinandersetzen können, wie wir in der Familie, im Umkreis, in der Ehe doch auch gute Beziehungen knüpfen können und auch wachsen können.

[0:46] Jeder von uns erlebt Zeiten des Verlustes, und das ist etwas, was manchmal eine sehr schwierige Zeit für uns ausmacht. Wir haben Zeiten des Verlustes, wo wir Verlust an Gesundheit, am Arbeitsplatz, an lieben Menschen vielleicht, oder auch von Vertrauen oder von anderen Dingen erleben. Und wir wollen uns jetzt einmal näher anschauen, was das zu bedeuten hat. Der Merktext in dieser Lektion in dieser Woche lautet: „Ja, ich erachte alles für Schaden gegenüber der überschwänglichen Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn. Um seinetwillen ist mir das alles ein Schaden geworden und ich erachte es für Dreck, auf dass ich Christus gewinne.“

[1:34] Es ist ein schöner Text, der uns hier aussagen soll und uns zeigen soll, dass alles, was wir auf dieser Erde haben, eigentlich doch vergänglich ist. Wir dürfen viele Dinge hier besitzen, aber es ist doch alles nur geliehen. Und im Endeffekt ist das Wichtigste in unserem Leben, dass wir Gott kennen, dass wir Jesus kennen und dass, wenn wir mit Jesus leben, wir die Ewigkeit am Ende haben. Und in der Ewigkeit wird es keine Verlusterlebnisse und Erfahrungen mehr geben. Deswegen das Wichtigste: Wenn wir auf Jesus schauen, dann werden wir alle anderen Dinge dieses Lebens ein klein wenig niedriger hängen. Es wird uns weniger wichtig sein. Natürlich ist es wichtig, hier zu leben und hier ein gutes und auch ein erfülltes Leben zu haben, aber es ist nicht das Oberste unseres Lebens. Das wichtigste Ziel ist die Ewigkeit, Gott zu sehen, Jesus zu sehen, wenn er wiederkommt.

[2:23] Wir haben in dieser Woche das Thema Zeiten des Verlustes: Erstens, den Verlust der Gesundheit; zweitens, Verlust von Vertrauen; drittens, Verlust von Vertrauen im Sinne von Missbrauch; viertens, Verlust der Freiheit. Es geht hier um Sucht, um Suchtverhalten; und fünftens, Verlust des Lebens. Wir wollen uns diese fünf Dinge jetzt einmal näher anschauen und sehen, was Gott uns daran sagen will und wie wir auch praktische Hilfe sehen. Ich werde nicht alle Bibeltexte lesen, die wir in dieser Woche hier in dieser Lektion aufgeschrieben haben. Das könnt ihr selber zu Hause lesen, sondern ich möchte das Thema ein wenig vertiefen, uns praktische Hilfen geben, wie das, was wir hier studiert haben, in unserem Leben Anwendung finden kann.

[3:18] Das erste: Verlust der Gesundheit. Voltaire sagte einmal: „In der ersten Hälfte unseres Lebens opfern wir unsere Gesundheit, um Geld zu erwerben. In der zweiten Hälfte opfern wir unser Geld, um die Gesundheit wiederzuerlangen.“ Und während dieser ganzen Zeit gehen Gesundheit und Leben von dannen. Das heißt, dass wir hier den Hintergrund haben, dass die Frage von der Wertigkeit unserer Gesundheit und Geld große Rolle spielen. Für uns Menschen spielt Besitz und Geld eine große Rolle und Geld hat eine unglaublich starke Anziehungskraft. Deswegen, solange der Mensch gesund ist, möchte er gerne viel Geld verdienen und manche machen Überstunden und haben viel Stress, um möglichst noch mehr Geld zu scheffeln. Und dabei bleibt die Gesundheit auf der Strecke. Die Gesundheit ist eigentlich ein hohes Gut, was wir gerne haben, was wir aber gar nicht merken, solange wir es haben. Wir merken erst, wie wichtig die Gesundheit ist, wenn sie verschwindet. Wenn wir krank werden, wenn wir chronisch krank werden oder wenn wir merken, dass es Dinge gibt in unserem Leben, die wir nicht mehr geregelt kriegen.

[4:32] Von daher, woher kommen die Ursachen? Woher kommt die Krankheit? Erstens, es kann eigenes Verschulden geben. Es gibt das Prinzip von Ursache und Wirkung. Das bedeutet, dass wir sagen können: Wenn ich mich falsch verhalte, dann werde ich krank. Wenn ich mich ungesund ernähre, dann werde ich krank. Vielleicht nicht sofort. Das Problem der Ernährung ist meistens, dass es eher eine mittelfristige bis langfristige Wirkung hat. Wir haben unseren Körper so geschaffen, dass, wenn wir ihn mit den falschen Dingen füttern, dass er trotzdem noch funktioniert, aber eben irgendwann nicht mehr so richtig. Aber wir dürfen niemals, und das ist jetzt wichtig, den Rückschluss ziehen, dass wir sagen: Wenn jemand krank ist, muss er sich falsch verhalten haben. Natürlich, wenn ich viel Fleisch esse oder viele Stoffe esse, die Krebs erregen, und ich bekomme Krebs, oder wenn ich rauche und ich bekomme Krebs, dann kann es eine Ursache und Wirkung geben. Aber wenn jemand Krebs hat, darf man niemals sagen: „Du hast Krebs, weil du...“ Denn es kann auch andere Ursachen geben. Deshalb ist dieser Rückschluss immer gefährlich. Denn es gibt noch andere Ursachen.

[5:47] Natürlich, eigenes Verschulden. Zweitens, Vererbung. Es gibt Erbkrankheiten, wo man nicht dafür kann, dass man sie sich von den Eltern geerbt hat und dass man da von der Anlage her in eine Richtung tendiert. Natürlich, oder auch bei Unfällen. Auch zum Beispiel, wenn jemand bei der Geburt einen Unfall geschieht und die Geburt schief geht. Oder wenn ich im Straßenverkehr einen Unfall erleide. Oder wenn ich von der Leiter falle oder irgendwelche anderen Arbeitsunfälle. Wer auch immer die Schuld dabei hat. Aber Unfälle können unser Leben doch stark beeinträchtigen. Ob wir denn behindert sind oder andere Krankheiten dadurch kommen können.

[6:34] Viertens, es kann auch die Schuld anderer sein. Schuld anderer bedeutet, dass jemand anders etwas tut, wo ich am Ende beeinträchtigt bin. Wenn jemand zum Beispiel anders zu schnell fährt oder überholt auf der Landstraße und er verursacht einen Unfall, dann kann es sein, dass die andere Schuld ist an meiner Krankheit oder an meinem Leiden, was ich danach habe. Oder auch, dass jemand irgendwelche Stoffe, vielleicht, wenn ich ein Haus baue und Schadstoffe eingebaut werden und ich dadurch durch das ständige Einatmen der Schadstoffe vergiftet werde. Es können viele Bereiche geben, wo andere Schuld sein können an meiner Krankheit.

[7:22] Und natürlich kann es auch Bereiche geben, wo man sagen kann, es ist das Schicksal. Wenn ein Erdbeben geschieht oder ein Vulkanausbruch, wer ist da schuld daran? Es ist das Schicksal, wo man sagen kann, dass ich meine Gesundheit verliere. Aber entscheidend ist nicht, was die Ursache meiner Krankheit ist, sondern wie gehe ich damit um. Ich denke, Hiob ist uns ein gutes Vorbild. Hiob zeigt uns, dass eigentlich bei ihm die Ursache nicht daran lag, wie die Freunde von ihm sagten: „Du hast gesündigt oder du hast das und jenes gemacht, du hast selbst schuld daran.“ Sondern, dass Hiob – wir wissen das – geprüft wurde, weil es einen Streit, einen Konflikt zwischen Gott und Satan gab. Und Satan sagte: „Guck hier, Hiob und so weiter.“ Wir kennen die Geschichte. Auf jeden Fall, wie ist Hiob damit umgegangen? Zuerst mit seinen Schicksalsschlägen und dann mit seiner Krankheit? Er sagte: „Der Herr hat es gegeben, der Herr hat es genommen, der Name des Herrn sei gelobt.“ Und ich denke, das ist eine Größe, zu wissen, dass alles von Gott kommt und dass Gott die Kontrolle über alles hat und dass wir deswegen Gott loben dürfen.

[8:45] Das Gleiche war auch als der Blindgeborene. Die Jünger Jesus fragten: „Wer ist denn schuld? Er selbst oder seine Eltern, dass er blind geboren ist?“ Jesus sagt: „Damit Gottes Herrlichkeit offenbart wird.“ Wichtig ist immer, dass Gottes Ehre an erster Stelle steht. Hiob hat Gott alles gesagt, auch seine Gefühle, auch seine Schwierigkeiten, auch seine inneren Kämpfe, die er hatte. Und er hatte wirklich innere Kämpfe. Denn was die Freunde ihm sagten, dass er selbst schuld sei an der Krankheit, das hat er ja selber auch geglaubt. Aber er wusste: „Ich bin nicht schuld, denn ich habe nichts Unrechtes getan, warum diese Schicksal und diese Krankheit hätte kommen sollen.“ Und so hat er mit sich selbst und mit Gott gerungen und er hat alle seine Fragen, aber er hat sie Gott gesagt. Er hat die Verbindung zu Gott nicht abreißen lassen. Und wenn wir krank sind und wir verstehen manches nicht, dann dürfen wir alles, auch unsere Gefühle, dürfen wir Gott sagen. Er versteht uns. Er hat an Gottes Liebe festgehalten. Er hat gesagt: „Auch wenn ich das nicht verstehe, auch wenn ich nicht weiß, was hier geschieht, aber am Ende wird Gott es gut machen.“ Und zu wissen, dass Gott am Ende es gut machen wird, diese Hoffnung, dieses Vertrauen dürfen wir haben. Jemand sagte einmal: „Gottes Wege kann man nur von hinten erkennen und lesen.“ Wenn wir mittendrin sind, ist es manchmal schwer zu erkennen, wo führt das hin und wozu ist das da und warum erlebe ich das Ganze, gerade wenn es eine Zeit ist, wo es uns schwerfällt. Aber wenn wir etwas durchgestanden haben und dann zurückblicken, dann können wir sehen: Es war gut. Gott hat es gut gemacht und gut gemeint und gut geführt.

[10:15] Hiob ist im Leid Gott noch näher gekommen. Hinterher konnte er sagen: „Ich habe Gott eigentlich nur von Hörensagen gekannt und jetzt haben meine Augen ihn selber gesehen.“ Und das ist auch etwas, was auch heute noch da ist. Das heißt nicht, dass jeder, der leidet, man sagen muss: „Ja, du warst Gott nicht nah genug vorher.“ Nein, das ist wieder ein Rückschluss, der nicht erlaubt ist. Aber jedes Leid und jede Krankheit kann und möchte Gott dazu benutzen, dass wir ihm näher kommen, dass wir von ihm mehr abhängig sind, dass wir eine engere Verbindung zu ihm haben, dass wir mehr beten und mehr auf Gott hören und Gott folgen. Wenn es uns zu gut geht, ist es manchmal auch so, dass wir auf uns selbst vertrauen und uns selbst zu sehr in den Mittelpunkt stellen. Manchmal lässt Gott zu, dass manche Dinge schiefgehen oder dass wir krank werden, weil es eben auch zu unserem Besten dient.

[11:06] Bei Paulus war es auch ähnlich. Paulus hatte eine chronische Krankheit, man nimmt an, es war ein Augenleiden, und er bat Gott darum, dass Gott ihm das wegnimmt. Aber Gott sagte zu ihm: „Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“ Gott hat bewusst Paulus eine gewisse Schwäche gegeben, damit Gottes Macht umso größer wird, aber damit Paulus auch seine Abhängigkeit von Gott behält. Und natürlich ist es auch wichtig, wenn wir krank sind, dass wir den Blick nach vorne haben, dass wir Hoffnung haben, dass wir sehen: Ich habe einen Sinn im Leben, ich habe einen Zweck im Leben und es gibt auch Dinge, die ich noch tun kann, auch wenn ich vielleicht behindert bin. Dass wir nicht auf das schauen, was ich nicht kann, sondern auf das schauen, was ich habe und dass ich überlege, was ist Gottes Plan und Gottes Ziel für mein Leben, auch in der Situation, wo ich jetzt bin und vielleicht auch für die Zukunft.

[11:57] Zweitens, der Verlust von Vertrauen. Unsere Lektion geht über Familienzeiten und Familienzeiten bedeutet, dass es um Beziehungen geht in der Familie, und Beziehungen sind immer etwas Zerbrechliches. Es ist so schnell, dass Vertrauen missbraucht werden kann, dass Vertrauen verloren geht, dass wir von Menschen enttäuscht sind, und es ist so, dass jeder von uns irgendwo immer wieder von Menschen enttäuscht ist. Ob das kleinere Dinge sind – und die kleinen Dinge können wir manchmal sehr schnell wegstecken, das geht manchmal – oder es können auch große Dinge sein, dass Vertrauen verloren geht.

[12:41] Wenn man dir Unrecht getan hat, dann gibt es zwei Dinge: Erstens, du bist verletzt worden. Und das bedeutet, meistens kommt dadurch ein Ärger, ein Groll in uns hoch, eine Feindseligkeit, dass wir irgendwo negative Gefühle haben und das führt dazu, dass wir uns manchmal von diesen Menschen distanzieren. Und dass das geschehen ist, das kann ich nicht wieder ungeschehen machen. Ich kann die Tatsache nicht verändern, dass ich verletzt worden bin. Aber deswegen ist es entscheidend, wenn ich nur zurückschaue und nur in dem Groll mich bade und in dem, was geschehen ist, und mich als das Opfer sehe und wie schlimm es mir doch geht und wie böse der andere ist, je länger ich darüber nachdenke und je mehr ich meine Gedanken drum herum kreisen lasse, desto mehr lebe ich in der Vergangenheit und desto mehr bin ich gefangen von meinem Ärger, meinem Groll und desto größer wird mein Groll und mein Ärger. Und je mehr ich an Rache denke, desto mehr werde ich verbittert innerlich. Deswegen geht es darum: Wie kann ich wieder heil werden? Wie kann ich ein Leben haben, was frei ist von Ärger und Groll und Bitterkeit? Wie kann ich nach vorwärts schauen und vorwärts gehen?

[13:58] Jesus ist sehr häufig verletzt worden und auch am Ende seines Lebens, als er gefoltert wurde, er war trotzdem innerlich frei. Er konnte sogar für seine Mörder Vergebung beten. Deswegen sind es zwei Dinge: Erstens, du bist verletzt worden, und was wir dagegen tun können, das werden wir uns gleich anschauen, nämlich die Vergebung ist hier der entscheidende Punkt. Und das Zweite: Dein Vertrauen wurde missbraucht. Wenn man mir Unrecht getan hat, dann ist oftmals ein Vertrauensmissbrauch da. Das heißt, dass ich misstrauisch werde, dass ich mich zurückziehe, dass ich das vermeide, dass ich wieder verletzt werde. Einfaches Beispiel: Wenn ich jemandem 1.000 Euro geliehen habe und der mit dem Geld durchgebrannt ist, dann werde ich beim nächsten Mal misstrauisch sein. Ich werde ihm nicht mehr 1.000 Euro geben und ich werde mich von ihm zurückziehen. Natürlich, das heißt nicht, dass er unbedingt mein Feind geworden ist, aber ich vermeide, dass mir das wieder passiert. Man sagt auch: „Ein gebranntes Kind scheut das Feuer.“ Ich will mich nicht weiteren Verletzungen aussetzen, also ziehe ich den Rückzug an.

[15:16] Und das natürlich, wenn das in der Familie passiert, in der Ehe passiert, wenn der Vertrauen missbraucht wird, dann passiert es schnell, dass ich, wenn ich mich zurückziehe, dass dann der andere sich auch zurückzieht und dann fängt man an, nebeneinander herzuleben oder gegeneinander zu leben, oder irgendwann kommt es zur Trennung und zur Scheidung. Die Frage ist: Wie kann ich Vertrauen wieder aufbauen, auch wenn mein Vertrauen missbraucht wurde oder wenn mein Vertrauen enttäuscht wurde? Das sind ganz wichtige Dinge, die wir uns anschauen wollen.

[15:47] Das Erste: Es ist wichtig, dass wir vergeben. Ich vergebe, weil ich heil werden will. Denn wenn ich nicht vergebe, solange ich den eigenen Groll im Herzen habe, solange ich meine Verärgerung habe und die ja vielleicht sogar berechtigt ist, aber solange ich das behalte, bin ich derjenige, der Nachteile hat, der da zum zweiten Mal zum Opfer wird. Einmal, wo ich verletzt wurde, und zum zweiten Mal jetzt die ganze weitere Zukunft, wo ich in meinem Groll, in meinem Ärger lebe. Es kann sein, dass der andere vielleicht das gar nicht einsieht, dass er an mir schuldig geworden ist. Auch dann ist es wichtig zu vergeben. Es ist zwar leichter zu vergeben, wenn der andere sagt: „Das tut mir leid und das wollte ich nicht machen und ich will es auch nicht wieder tun.“ Dann fällt es viel leichter zu sagen: „Okay, gut, ich vergebe dir.“ Aber wenn der andere sagt: „Wieso, war doch gar nichts. Du hast doch auch und so schlimm war es doch gar nicht.“ Wenn der andere das gar nicht einsehen will, seine Schuld, dann ist es viel schwerer zu vergeben. Aber auch dann ist es notwendig und wichtig. Warum? Wenn ich dem anderen vergebe, heißt das nicht, dass er frei ist, sondern das heißt, dass ich selber frei werde, frei von meinem Ärger, frei von meinen negativen Gedanken.

[17:09] Vergeben heißt nämlich nicht, dass ich das, was geschehen ist, gut heiße. Das heißt, wenn ich dem anderen vergebe, heißt das nicht, dass ich ihm erlaube, es wieder zu tun. Das heißt auch nicht, dass ich sage: „Okay, es war ja schon in Ordnung“, denn wenn es in Ordnung gewesen wäre, dann müsste ich gar nicht vergeben. Vergeben heißt auch nicht, dass ich das vergessen muss. Denn Dinge, die mir geschehen sind, gerade die sehr starke Emotionen mit dabei hatten, die kann ich nicht vergessen, ob sie positiv oder negativ waren. Je stärker die Emotionen bei einem Ereignis waren, desto stärker ist das in unserer Erinnerung verhaftet. Aber vergeben heißt, dass ich mich, wenn ich mich daran erinnere, dass ich diese negativen Gefühle nicht mehr habe. Denn die Zeit heilt keine Wunden. Wenn ich verletzt worden bin, stark verletzt worden bin, dann kann ich auch nach 30 Jahren diese Verletzung genauso stark spüren wie am ersten Tag, wenn ich daran denke. Wenn ich es aber vergeben habe, wenn ich es verarbeitet habe, dann kann ich daran denken und es tut nicht mehr weh. Vergeben heißt: Ich will heil werden.

[18:17] Aber vergeben ist auch die Grundlage dafür, dass auch eine Beziehung wieder aufgebaut wird. Vergeben heißt nicht versöhnen. Wenn ich jemanden anderen vergebe, heißt es nicht, dass ich wieder mit ihm versöhnt sei. Natürlich, es wäre schön, wenn wir auch wieder versöhnt werden würden. Aber zu vergeben braucht man eine Person. Ich entscheide mich zu vergeben. Zur Versöhnung braucht man zwei Personen, nämlich ich möchte wieder und der andere möchte auch wieder die Beziehung wieder anknüpfen und wieder verbessern. Und von daher ist die Vergebung die Grundlage für eine Versöhnung.

[18:59] Es ist auch so, je stärker die Verletzung war, desto länger dauert es, bis ich auch wieder in meiner Versöhnung, in meinem Vergeben innerlich wieder frei geworden bin davon. Was mache ich aber jetzt, wenn mein Verstand sagt: „Ich will vergeben oder ich soll vergeben?“ Denn Jesus sagt ja auch in Matthäus 6 nach dem Vaterunser: „Wenn ihr den Menschen ihrer Verfehlung vergebt, nicht vergebt, wird euer himmlischer Vater euch auch nicht vergeben. Und wenn ihr den anderen vergebt, wird euer himmlischer Vater euch vergeben.“ Das heißt, Gott fordert uns auf, dass wir dem anderen vergeben sollen.

[19:35] Was ist aber jetzt, wenn mein Kopf sagt: „Ich soll vergeben, ich darf vergeben oder ich muss vergeben“, aber mein Herz sagt: „Es geht nicht. Das war zu schlimm und es ist ungerecht.“ Wichtig ist, dass ich mich entscheide zu vergeben. Und wenn ich mich entscheide zu vergeben, dann wird mein Gefühl, was so negativ erst mal ist, wie ein Gummiband, irgendwann hinterherkommen. Am Anfang wird mein Gefühl sagen: „Nein, das geht nicht.“ Aber wenn ich sage: „Doch, ich will aber, ich entscheide mich, ich vergebe.“ Und wenn ich jeden Morgen neu mich entscheide zu vergeben, jeden Morgen neu, wenn ich aufwache, wenn ich mein Leben Gott übergebe, dann kann ich auch sagen: „Ich entscheide mich, Person X und Y zu vergeben, was er mir angetan hat.“ Wenn ich jeden Morgen neu mich entscheide zur Vergebung, dann wird auch mein Gefühl darüber zur Ruhe kommen.

[20:36] Und gerade in schwierigeren Fällen empfehle ich auch, dass man die Verletzung aufschreibt. Das heißt, dass ich mich versuche zu erinnern, was ist damals geschehen und dass ich das Geschehene aufschreibe: Was ist passiert? Welche Gefühle habe ich dabei gehabt? Was hat mich verletzt? Einfach aufschreiben. Das können ruhig mehrere Seiten werden. Und dass ich dann, wenn es fertig ist, mich entscheide und darunter schreibe: „Ich entscheide mich zu vergeben.“

[21:05] Warum ist das Aufschreiben wichtig? Was wir nicht aufschreiben, versuchen wir krampfhaft im Kopf zu behalten. Wenn ich zum Beispiel am Abend, wenn ich ins Bett gehe und bevor ich einschlafe, kann es sein, dass ich manchmal irgendwelche guten Gedanken bekomme, vielleicht für irgendeine Predigt, irgendeinen Bibeltext oder irgendetwas anderes. Und dann denke ich: „Ich muss das unbedingt in meinem Kopf behalten. Ich darf das nicht vergessen. Morgen früh, wenn ich aufwache, muss ich das wieder im Kopf haben.“ Und je mehr ich versuche, das festzuhalten im Kopf, desto schlechter kann ich einschlafen, weil mein Kopf versucht, die ganze Zeit sich um diesen Punkt zu drehen und das festzuhalten. Aber was kann ich tun? Wenn ich einen Zettel nehme und einen Stift und ich schreibe auf: „Die gute Idee.“ Wenn ich es aufgeschrieben habe, dann kann ich das im Kopf loslassen, weil ich weiß, es steht ja auf dem Zettel. Und wenn ich morgen früh aufwache, dann liegt der Zettel immer noch da und ich kann es wieder lesen und ich habe es wieder in Erinnerung.

[21:56] Das heißt, wenn ich jetzt diese Sache aufschreibe, dann ist es eine Hilfe, dass ich das im Kopf loslassen kann, denn ich habe es ja aufgeschrieben. Mit dem, was geschehen ist, mit allem, mein Gefühl, mit allem, was da im Zusammenhang steht, steht das schwarz auf weiß auf meinem Zettel. Und übrigens, diesen Zettel, das geht keinem etwas an. Aber ich habe es aufgeschrieben und ich kann es im Kopf loslassen und ich kann mich entscheiden zu vergeben und dann kann ich frei werden davon. Und da wird auch mein Gefühl über diese Sache zur Ruhe kommen.

[22:23] Deswegen, wenn Vertrauen missbraucht worden ist, wenn ich verletzt worden bin, wenn mir Unrecht getan worden ist, ist der erste Punkt, dass ich vergebe. Ich kann euch auch empfehlen, ein Vergebungsseminar mitzumachen. Die werden ab und zu angeboten in den Adventgemeinden. Das ist sehr, sehr gut. Hier hat man sieben Abende, wo man wirklich lernt zu vergeben.

[22:50] Aber es geht auch dann zum zweiten Punkt darum, dass wir Vertrauen wieder aufbauen, wenn uns Unrecht getan worden ist. Und wenn Vertrauen wieder aufgebaut werden soll, das braucht Zeit und Geduld. Denn vergeben ist wichtig, dass ich dem anderen vergebe. Aber wenn ich wieder eine Beziehung knüpfen will, wenn ich die Beziehung wieder vertiefen will, dann heißt das, dass ich dann auch wieder zum anderen Vertrauen aufbaue, dass er mir vertraut und ich ihm vertraue. Und vertrauensbildende Maßnahmen sind etwas, was Zeit braucht und wo ich auch mit mir und dem anderen Geduld haben muss. Je schwerer das Vergehen war, desto mehr Zeit braucht auch die Heilung. Deswegen, wenn es eine schwere Sache war, ein schwerer Vertrauensverlust, dann muss ich dem anderen auch Zeit, wenn ich ihn verletzt habe, dann muss ich dem anderen auch Zeit geben, dass er auch wieder heilen kann und dass auch ich ihm wieder zeige, dass ich vertrauenswürdig bin.

[23:41] Und wie kann ich das zeigen? Und da gibt es einen ganz wichtigen Grundsatz, der lautet: Nicht reden, sondern tun. Ich habe schon öfter in Eheseelsorgen mit Personen gesprochen, mit dem Mann oder der Frau. Und sie haben mir gesagt über ihre Probleme, Eheprobleme und was für alles denn damit zusammenhängt. Und sehr häufig habe ich gehört die Aussage, dass man sagt, dass die Frau sagt: „Mein Mann hat mir schon tausendmal versprochen, das mache ich nie wieder, und er hat es doch immer wieder gemacht. Und jetzt ist es vorbei. Und ich habe ihm nochmal eine Chance gegeben, und er hat es doch wieder gemacht. Ich habe ihm nochmal eine Chance gegeben und ich habe ihm hundertmal eine Chance gegeben. Und ich glaube ihm jetzt nicht mehr.“ Und er kommt zu mir und sagt: „Was soll ich tun?“ Und ich sage zu ihm: „Nicht reden, sondern tun.“ Wenn du ihr zum tausendsten Mal, zum ersten Mal sagst: „Das mache ich jetzt nicht mehr“, dann wird sie dir nicht glauben. Aus gutem Grund. Aber deswegen nicht mehr sagen: „Das tue ich nicht“, sondern das nicht mehr zu tun. Das wirklich nicht mehr zu tun. Dein Verhalten zu ändern.

[24:43] Das heißt, das, was ich tue, wie ich mich verhalte, das zeigt meine Verhältnisse zum anderen. Nicht das, was ich sage. Natürlich, das Reden ist auch wichtig, dass man auch dem anderen liebe Worte und positive Worte sagt und auch Komplimente und Zuneigung zeigt. Aber wichtiger ist noch das Tun. Denn wenn mein Tun und Reden nicht übereinstimmen, dann glaubt der andere meinem Tun mehr als meinem Reden. Und tun heißt, dass ich vertrauenswürdig mich erweise. Das heißt, dass ich das, was ich sage, auch umsetze. Dass das, was der andere gerne wünscht, dass ich aus Liebe zu ihm das tue.

[25:23] Das heißt aber auch, dass ich mich verletzlich mache. Das heißt, in Situationen, wo es Probleme gibt, in Situationen, wo es vielleicht, ja, dass ich offen bin und auch meine Schwächen zugebe und mich verletzlich mache. Und jemand, wo ich mich verletzlich mache und auch meine Schwächen zugebe, merkt der andere: Er vertraut mir. Und das wird bei ihm auch wieder Vertrauen mir gegenüber auslösen und er wird sich auch öffnen, mir gegenüber.

[26:00] Ganz schwierig ist die Geschichte bei Ehebruch. Denn Ehebruch ist natürlich ein Vertrauensverlust ersten Ranges. Was ist, wenn Ehebruch vorliegt und der Partner sagt: „Es tut mir leid“, der den Ehebruch gemacht hat? Natürlich, Jesus sagt, wenn Ehebruch vorliegt, dann hat der andere das Recht dazu, auch sich scheiden zu lassen, weil Ehebruch damit die Ehe gebrochen ist. Aber es muss nicht so sein. Natürlich, bei fortgesetztem Ehebruch, da gibt es fast keine Chance. Wenn jemand also einen anderen Partner hat und sagt: „Ich möchte mit dem jetzt leben und nicht mehr mit dir.“ Aber was ist, wenn es ein Ausrutscher war und der andere das bekennt, bereut? Gut, wenn der andere Partner ihn immer noch liebt und ihm glaubt, dass es nur ein Ausrutscher war, dann kann man auch wieder einen Neuanfang wagen und starten. Das ist möglich. Es gibt auch viele Ehen, wo auch nach einem Ehebruch die Ehe sogar noch intensiver geworden ist, weil man sich noch mehr über seine innersten Gefühle und Bedürfnisse ausgetauscht hat. Aber sehr viele Ehen zerbrechen denn daran, an dem, was danach geschieht.

[27:22] Was geschieht nämlich? Stellt euch vor, der Mann hat vielleicht Ehebruch begangen, hat es bereut und die Frau sagt: „Ich vergebe dir.“ Gut. Aber vergeben heißt, die eine ist eine, aber das Vertrauen wiederzuhaben, das ist die zweite Seite. Jetzt stellt euch vor, der Mann sagt morgens: „Fährt er zur Arbeit und sagt: ‚Ich komme heute um 5 Uhr wieder aus der Arbeit wieder nach Hause. Ich habe dann Schluss und dann bin ich wieder zu Hause.‘“ Und jetzt stellt euch vor, er kommt nicht um 5, sondern er kommt erst um 8 Uhr abends. Was wird die Frau denken, ohne dass sie was dafür kann? Automatisch wird das in ihren Kopf kommen. Sie wird auch denken: „Drei Stunden später ist er vielleicht wieder bei der Frau gewesen.“ Das heißt, sie wird automatisch den Verdacht haben, dass er wieder das Gleiche gemacht hat. Wieder Ehebruch. Ohne dass sie ihm das unterstellt. Aber es könnte doch sein. Also, wenn er nach Hause kommt um 8 Uhr, dann wird sie ihn fragen: „Wo warst du? Was hast du die drei Stunden gemacht?“ Natürlich wird er zum ersten Mal sagen: „Ich habe noch mehr zu tun gehabt, der Chef hat mir das und das noch in Arbeit gegeben.“ Irgendwelche Dinge wird er ja begründen können, warum er später gekommen ist.

[28:44] Es passiert aber Folgendes: Die Frau wird immer wieder nachfragen, wenn ihr irgendetwas komisch vorkommt. Irgendwann wird der Mann sagen: „Warum bist du so misstrauisch? Warum vertraust du mir nicht? Warum glaubst du mir nicht?“ Und dann wird es einen Streit geben, weil er sagt: „Du darfst nicht mehr nachfragen“, und sie sagt: „Aber um dir vertrauen zu können, muss ich nachfragen.“ Wenn kein Ehebruch vorliegt und die Frau ständig fragt, dann ist das wirklich nicht gut, weil eine ständige Kontrolle Vertrauen auch zerstören kann. Aber wenn ein Ehebruch vorliegt, ist es etwas anderes. Nämlich, ich sage dann immer Folgendes: Nach einem Ehebruch ist eine völlige Offenheit notwendig. Und der Preis, den der Mann denn zu zahlen hat, wenn er derjenige war, der ein Ehebruch gemacht hat, der Preis, den er zu zahlen hat, ist, dass er seiner Frau erlaubt – sie müssen ein Abkommen schließen, wenn sie Neuanfang machen. Das Abkommen lautet: Der Mann erlaubt seiner Frau, so lange und so oft sie will, nachzufragen. Und er muss jedes Mal mit freudigem Herzen und aus Liebe zu ihr Rechenschaft geben. Aber irgendwann, wie lange das dauert, weiß man nicht, vielleicht ein halbes Jahr, vielleicht ein Jahr, irgendwann wird sie weniger fragen. Wenn sie hundertmal gefragt hat: „Wo warst du?“ und er sagt: „Hier und da“, und das klingt für sie plausibel, irgendwann wird sie ihm wieder glauben. Und dann wird sie weniger fragen. Und dann wird das Fragen irgendwann wieder eine normale Verhältnismäßigkeit annehmen. Aber solange muss der Mann das einfach tun, weil er weiß: Meine Frau braucht das, dass das Vertrauen wieder aufgebaut wird.

[30:29] Deswegen, Verlust von Vertrauen ist eine ganz, ganz schwerwiegende und schlimme Sache, gerade bei Ehebruch. Und da kann man auch nur darum beten, dass Gott auch wieder Wunden heilt, dass Gott diese Offenheit schenkt und die Liebe zueinander schenkt und dass die Liebe diese zerbrochene Beziehung und dieses Vertrauensverlust wieder überdecken und überbrücken kann.

[30:51] Ja, kommen wir zum nächsten Punkt: Verlust von Vertrauen in der Frage des Missbrauchs. Und jetzt wird es noch schwieriger. Denn Missbrauch ist etwas, was noch tiefer geht. Es gibt verschiedene Arten von Missbrauch: Es gibt verbalen Missbrauch, es gibt körperlichen Missbrauch, es gibt emotionalen Missbrauch, es gibt sexuellen Missbrauch, es gibt Vernachlässigung. Und natürlich gibt es verschiedene Schweregrade, verschiedene Arten. Gerade der sexuelle Missbrauch ist meistens, gerade wenn es mit Kindern ist, ist es etwas, was ihr ganzes Leben sehr stark beeinträchtigt. Aber auch die anderen Dinge: Ein ständiger verbaler Missbrauch, körperlicher Missbrauch oder emotionaler Missbrauch ist etwas, wo man versucht, Macht über anderen Menschen auszuüben, um seine eigene Stärke zu zeigen. Es gibt auch religiösen Missbrauch.

[31:58] Und da ist es wichtig, wenn man missbraucht wurde, wie kann ich damit umgehen? Natürlich ist das Erste auch wieder die Vergebung. Denn das, was in meinem Leben an Ärger und an Groll und an Verletzung da ist, ist etwas, was heil werden muss. Und vergeben heißt nicht, dass der Täter damit frei ist, sondern vergeben heißt: Ich werde frei. Dass ich frei werde von diesen Belastungen, von diesen negativen Emotionen. Wenn der Missbrauch leicht oder mittelstark ist, können wir das noch aus eigener Kraft recht gut schaffen. Aber in schwereren Fällen, da rate ich dringend dazu, dass man professionelle Hilfe in Anspruch nimmt. Und zwar, die professionelle Hilfe ist dafür da, mich zu begleiten in der Phase, wenn ich das verarbeite. Denn es kann sein, dass, wenn ich darüber nachdenke, wenn ich versuche, das zu vergeben, dass das mich so stark wieder gefühlsmäßig aus dem Gleichgewicht bringt, dass ich das nicht schaffe. Und ein Therapeut kann da wirklich eine Hilfe sein, um innerlich wieder das in der richtigen Art und Weise anzugehen und zu verarbeiten und mich daran zu erinnern. Aber die Vergebung ist der erste Punkt, der wichtig ist.

[33:23] Dann ist die nächste Frage: Frage Kontakt von Täter und Opfer. Bei leichten und mittlerem Missbrauch kann man sicherlich auch wieder sagen: „Okay, ich kann auch wieder Vertrauen aufbauen, wie wir es vorher gesehen hatten, Vertrauen aufbauen, indem ich auch wieder, ja, dass der Täter das einsieht, dass er falsch gehandelt hat.“ Ohne Einsicht des Täters ist ein weiterer Kontakt zwischen Täter und Opfer nicht möglich. Warum? Wenn der Täter sein falsches Verhalten nicht einsieht, wird er das Opfer immer wieder missbrauchen. Und das Opfer muss sich schützen. Deswegen, Vergebung kann auch bedeuten: „Ich vergebe dir, was du getan hast, aber ich habe keinen Kontakt mehr zu dir, weil ich nicht wieder verletzt werden will.“ Wenn aber der Täter das einsieht und auch Vergebung bittet und auch Besserung gelobt, dann ist es möglich, dass man auch wieder die Beziehung wieder Schritt für Schritt aufbaut.

[34:22] Bei sexuellem Missbrauch oder bei schwerem Missbrauch würde ich auf jeden Fall raten, dass hier eine Trennung sein muss. Weil in den meisten Fällen der Täter in irgendeiner Form, ob das jetzt sexuell ist oder auch wieder eine andere Form, ob das emotional oder so, wieder Gewalt über das Opfer bekommt. Und deshalb ist es bei schwerem Missbrauch, bei schwerem sexuellen Missbrauch vor allen Dingen wichtig, dass hier eine Trennung zwischen Täter und Opfer vorgenommen wird. Und wie gesagt, in schweren Fällen ist professionelle Hilfe auch wichtig und dringend angeraten.

[34:56] Ich möchte dazu auch noch hinweisen: Es gibt in Deutschland von unserer Freikirche einen Beirat. Der Beirat lautet: Sexueller Gewalt begegnen. Und er hat die Aufgabe, wenn irgendwo sexueller Missbrauch vorliegt, natürlich bei schwerem sexuellem Missbrauch ist es sogar auch eine Pflicht, dass es auch gemeldet wird, aber auch angezeigt wird. Aber hier an der Stelle ist es so, dass bei sexuellem Missbrauch, wenn es in der Gemeinde vorkommt, dass es nicht gut ist, wenn die Gemeinde oder der Prediger selbst versuchen, das zu lösen, weil sie dann ganz schnell selbst ein Teil des Konfliktes werden. Sondern, dass man hier diesen Beirat einschaltet und der dann von außen mit dem Täter und mit dem Opfer spricht und schaut, wie sieht die Sache aus und dann schaut, wie kann man eine Lösung finden, die für das Opfer vor allen Dingen wichtig und gut ist und auch, wie man mit dem Verhalten des Täters und mit seiner Zukunft umgeht. Ich habe das auch schon eine Erfahrung mitgemacht. Es ist nicht immer alles nur gut, was dann passiert, weil über solche Dinge zu sprechen, ist immer etwas, was sehr heikel ist und wo es verschiedene Emotionen, verschiedene Sichtweisen und verschiedene Denkweisen darüber gibt. Aber es ist wichtig, dass man diese Dinge anstößt und dass sie geklärt werden. Deswegen, Verlust von Vertrauen durch Missbrauch ist etwas, was wichtig ist, dass man das angeht. Ich möchte es an dieser Stelle nicht vertiefen, weil es, denke ich, wenn es bei schweren Fällen vorkommt, sollte man da auf diesen Beirat zurückgreifen.

[36:44] Wir haben noch zwei Punkte vor uns. Punkt Nummer vier ist der Verlust der Freiheit und zwar in Bezug auf Suchtverhalten. Und eigentlich ist es so, dass jeder Mensch, jeder von uns eine Tendenz hat, eine Versuchbarkeit zum Suchtverhalten. Es gibt verschiedene Arten von Süchten, die auch in der Lektion genannt werden. Ich habe mal einige hier aufgeschrieben: Drogen, Drogensucht, Alkoholsucht, Tabaksucht, Rauchen, Spielsucht, Pornografie, Sexsucht, Esssucht, Kaufsucht oder auch okkulte Belastung. Das ist auch eine Sucht, wo man nicht mehr rauskommt, wo man gefangen ist. Es gibt noch viel mehr Arten von Süchten, ob das jetzt auch mittlerweile, denke ich, gibt es auch eine Smartphonesucht. Es gibt Jugendliche, die können nicht mehr zwei Minuten ohne Smartphone auskommen. Und wenn sie ihr Haus verlassen und das Smartphone zu Hause liegen lassen haben, dann müssen sie umkehren und das wieder mitnehmen, weil ohne Smartphone können sie nicht leben. Das ist auch Suchtverhalten.

[37:53] Was bedeutet Sucht? Warum können diese Dinge zur Sucht werden? Denn viele dieser Dinge sind ja eigentlich, wenn man sie selbst betrachtet, gar nicht böse oder negativ oder schlimm. Essen ist etwas Wichtiges, lebensnotwendiges sogar, oder auch Sexualität oder Spielen. Das sind alles Dinge, die ja an sich oder kaufen, die nicht böse sind, die aber zur Sucht führen können. Und zwar eine Sucht ist etwas, was mir in dem Moment, wo ich es tue, eine Art Befriedigung gibt, aber was auf Dauer mein Leben zerstört. Natürlich, Essen und Kaufen zerstört mein Leben nicht, aber hier ist es so, dass an den Stellen, wenn es ein Maß annimmt, was nicht mehr normal ist. Ich frage jetzt wieder: Was ist normal? Aber wenn es zu viel wird, wenn ich also Sex suche, wenn ich das übertreibe, zu viel Sex, Essen, wenn ich zu viel esse oder wenn ich zu viel kaufe, wenn ich mich nicht mehr bremsen kann beim Kaufen. Das sind also Dinge, die durch ein Übermaß, durch ein Zuviel zur Sucht werden.

[39:03] Wichtig ist dabei zu überlegen, woher kommt das Suchtverhalten? Natürlich ist das durch die Sünde verursacht, weil die Sünde immer Beziehungen zerstört und immer zum Tod führt. Sünde ist immer negativ und Sünde ist etwas, was aber in dem Moment, wo wir es tun, Spaß macht. Wenn Sünde keinen Spaß machen würde, würde kein Mensch sündigen, sondern in den meisten Fällen ist Sünde etwas, was wir in dem Moment, wo wir es tun, gerne tun, aber was unser Leben halt zerstört.

[39:41] Die Frage ist aber, wie geht das mit diesem Suchtverhalten? Woher kommt diese Sünde und diese Versuchung zur Sünde? Und hier habe ich einen Text aus Jakobus 1, Vers 13 bis 15. Da heißt es: „Niemand sage, wenn er versucht wird, dass er von Gott versucht werde. Denn Gott kann nicht versucht werden zum Bösen, und er selbst versucht niemand, sondern an jedem, der versucht wird, wird von seiner eigenen Begierde gereizt und gelockt. Danach, wenn die Begierde empfangen hat, gebiert sie die Sünde. Die Sünde aber, wenn sie vollendet ist, gebiert den Tod.“ Was sagt Jakobus hier? Die Versuchung, die in unser Leben hineinkommt, kommt nicht direkt von Satan. Natürlich versucht Satan uns auch, aber er versucht uns mehr von außen. Sondern die Versuchung kommt in erster Linie aus uns selbst. Woher nämlich? Unsere eigene Begierde, unsere Triebe.

[40:36] Und die Frage ist, wenn ich meine Begierde, meine Triebe, wenn ich sie steuern kann, wenn ich sie kontrollieren kann, dann ist mein Wille stärker als meine Triebe. Und wenn die Triebe etwas Negatives wollen oder etwas übertrieben wollen, kann ich sagen: „Nein, und ich tue es nicht.“ Wenn aber meine Triebe stärker sind als mein Wille und meine Triebe mir vorgeben, was ich jetzt tue, dann komme ich in ein Suchtverhalten hinein, weil meine Triebe mich steuern. Und zwar hängt es auch sehr stark zusammen mit der Frage, wie stark ist mein Wille? Und wie stark ist meine Beziehung zu Gott?

[41:21] Was kann ich tun, um Suchtverhalten zu überwinden? Erstens, ich kann beten. Und wenn ich bete, kann Gott meinen Willen stärken und mir den Sieg schenken, das nicht mitzutun. Es gibt ein interessantes Zitat von Ellen White, wo sie sagt, in dem Buch „Charakter, Intellekt, Persönlichkeit“, da sagt sie: „Wenn Gott in Menschen wohnt und Gott mit den Menschen zusammenarbeitet, dann wird der menschliche Wille allmächtig.“ Das heißt, Gott möchte nicht unseren Willen zerbrechen, sondern er möchte unseren Willen mit seinem Willen in Einklang bringen, dass wir das wollen, was Gott auch will, was gut ist. Und dann wird Gott unseren Willen stärken, und zwar so sehr stärken, dass wir mit Gottes Hilfe das überwinden können, was nicht gut ist. Dass unser Wille, weil Gott allmächtig ist, auch die gleiche Kraft bekommt wie Gott, nämlich allmächtig.

[42:24] Und das hängt auch wieder damit zusammen mit unserem Frontallappen. Denn hier vorne im Frontallappen, das ist der Teil des Gehirns, der im vorderen Bereich ist, hier haben wir den Sitz unserer Entscheidungen, unseres Willens, unseres Intellektes und auch unserer Beziehung zu Gott, wo der Heilige Geist wirken kann. Und jetzt ist das Folgende: Und diese Suchtmittel, gerade die Mittel wie zum Beispiel Drogen, Alkohol, Rauch und so weiter, die haben, oder auch Kaffee zum Beispiel, die haben die Wirkung, dass sie meinen Frontallappen schwächen. Das heißt, wenn ich zum Beispiel Drogen nehme, wird mein Frontallappen geschwächt. Das heißt, mein Wille wird geschwächt. Dadurch hat mein Wille wieder weniger Kraft, meinem Verlangen nach den Drogen zu widerstehen. Und ich nehme wieder die Drogen und die tun meinen Frontallappen noch weiter schwächen. Und so gibt es ein Teufelskreis. Das heißt, durch Schwächung meines Frontallappens habe ich immer weniger Kraft und immer weniger Willenskraft zu widerstehen. Und dadurch die Sucht immer größer wird und immer stärker wird.

[43:23] Deshalb, natürlich kann ich selber beten, um zu widerstehen, dass Gott mir hilft. Aber ich kann auch selber etwas tun. Gott gibt mir Kraft dazu, aber er möchte auch, dass wir selber das, was wir können, auch tun. Nämlich, indem ich meinen Frontallappen stärke. Jetzt ist die Frage: Wie kann ich meinen Frontallappen stärken, also meinen Willen damit stärken? Darüber könnten wir jetzt die ganze Stunde wieder unterhalten. Wie kann ich meinen Frontallappen stärken? Darüber gibt es sehr gute Vorträge und Videos von Dr. Neil Nedley vom Weimar-Institut. Ganz kurz ein paar Dinge: Ich kann meinen Frontallappen stärken, indem ich mich gesund ernähre. Indem ich genügend schlafe. Indem ich mich genügend bewege. Indem ich frische Luft habe. Sonnenschein. Selbstkontrolle. Genügend Ruhe. Schlaf. Und Vertrauen in Gott. Die acht New Start, die acht Heilmittel, New Start Punkte.

[44:29] Aber es gibt noch weitere darüber hinaus, wie ich meinen Frontallappen stärken kann. Zum Beispiel, indem ich gute Musik höre. Gerade diese Offbeat-Musik, ob das die Rock-, Pop- oder die charismatische Musik ist, die schwächen meinen Frontallappen. Und ich werde, und mein Wille wird geschwächt, widerstehen zu können. Oder zum Beispiel auch, wie viel Fernsehen ich gucke. Fernsehschauen schädigt auch meinen Frontallappen. Und so gibt es viele Dinge, wo meine Lebensgewohnheiten, wenn ich sie mit positiven Dingen, mit guter Musik fülle, dass dann mein Frontallappen gestärkt wird und ich dadurch mehr Kraft habe, mehr Willenskraft habe, auch mit Dingen, die zur Sucht führen, fertig zu werden und das zu kontrollieren.

[45:18] Deswegen, Gott möchte uns freimachen von Suchtverhalten. Deswegen, beten kann wir. Zweitens, Fasten. Ich habe oft erlebt, dass, wenn wir beten und wir merken, es hilft nicht, es reicht nicht. Wenn wir dann beten und fasten, dass Gott dann Wunder tut und Dinge tut, wo das Fasten das Gebet so schnell verstärkt, dass wir noch mehr Kraft bekommen. Ich glaube, dass wir das Fasten in den letzten Jahren zu sehr aus den Augen verloren haben. Gott hat oftmals gesagt, dass wir durch Beten und Fasten den Sieg haben. Vor allen Dingen auch, wenn es um okkulte Dinge geht. Wenn es darum geht, dass Dämonen ausfahren, sagt Jesus: „Das geschieht nur durch Beten und Fasten.“ Natürlich auch für Bitte ist wichtig, dass wir für andere beten, dass auch sie die Kraft haben. Wenn ich weiß, da kämpft jemand damit, mit Suchtverhalten oder mit anderen Dingen.

[46:09] Und natürlich, dass wir auch Hilfe suchen. Hilfe suchen heißt, dass wir auch schauen, wo kann ich mit jemandem drüber sprechen. Wenn ich Suchtverhalten habe und ich mich jemandem anvertraue, dann kann der andere mit für mich beten. Oder zum Beispiel auch, dass ich ihm denn jeden Tag oder alle zwei Tage berichte, wie es mir gegangen ist. Wie war es am letzten Tag? Habe ich den Sieg gehabt? Bin ich wieder gefallen? Das ist wie mit dem Rauchen beim Fünf-Tage-Plan. Wenn man sich jeden Abend trifft und dann sage ich immer: „Es ist wichtig, dass sie bis zum nächsten Abend nicht rauchen. Nicht das ganze Leben, sondern nur bis morgen Abend nicht zu rauchen.“ Und diesen einen Tag, das schaffen sie. Und wenn man sich diese kleinen Einheiten vornimmt, bis da und dahin, das nicht zu tun, das ist gut. Wenn man dann jemanden hat, wo man sich anvertraut, einen Freund, und ihm dann sagen kann: „Hör mal zu, morgen telefonieren wir wieder und bis dahin beten wir darum, dass Gott mir den Sieg schenkt.“ Und dann kann man wieder darüber sprechen und dass man sich verantwortet vor jemandem. Das hilft mir, dass ich eine stärkere Motivation habe, durch das Gebet, durch die Stärkung meines Frontallappens, aber auch durch meine Willenskraft, den Sieg zu bekommen.

[47:23] Und natürlich, wenn es um die okkulte Belastung geht, da ist es wichtig, dass wir auch ein Absagegebet haben. Das heißt, wirklich die Dämonen ausgetrieben werden. Normalerweise dürfen Dämonen uns nichts tun und uns auch nicht quälen. Sie können uns zwar versuchen von außen, aber es ist ihnen die Grenze gesetzt. Aber wenn der Mensch von sich aus Kontakt zu den Dämonen aufnimmt, von diesen Gröllsünden, die in 5. Mose 18 geschrieben sind, dann haben die Dämonen das Recht, Menschen zu belasten, bis hin zur Besessenheit. Zu Jesu Zeiten gab es eine ganze Reihe Menschen, die besessen waren und die nicht mehr frei waren.

[47:57] Verlust von Freiheit. Jesus hat die Dämonen ausgetrieben. Und wenn man sein Leben Gott übergibt, uns Gott bittet und Jesus bittet, einen frei zu machen von dieser dämonischen Belastung, dann hört Jesus das Gebet und er macht frei. Deswegen, da ist auch wieder wichtig, die Freiheit wiederzuerlangen. Denn Jesus sagt: „Wen der Sohn frei macht, den macht er wirklich frei.“ Jesus macht uns frei von okkulten Belastungen, aber auch von den anderen Süchten, mit denen wir zu kämpfen haben.

[48:30] Der letzte Punkt ist Verlust des Lebens. Natürlich geht es hier nicht darum, wenn ich selber sterbe, denn wenn ich selber sterbe, dann habe ich eigentlich ja mein Leben gelebt. Und für mich ist der nächste Moment, wenn ich dann erlebe Jesu Wiederkunft, wenn ich ein gläubiger Mensch bin oder war. Und deswegen ist der Tod für einen gläubigen Menschen, obwohl der Tod noch der Feind ist, aber ist eigentlich nur wie ein Schlaf. Und ich habe es geschafft auf dieser Erde. Und der nächste Moment ist für mich die Herrlichkeit bei Jesus. Und das ist etwas Gutes, was Schönes. Aber es geht hier mehr um den Verlust des Lebens, wenn ein Angehöriger von uns stirbt. Und das ist manchmal nicht ganz einfach.

[49:06] Und es gibt hier vier Phasen des Trauerns, die man so kategorisieren kann. Das Erste ist, dass man das nicht wahrhaben will. Dass man sagt: „Nein, das kann nicht sein. Das muss eine Verwechslung sein. Und wieso gerade ich?“ Und dass man das nicht glaubt. Dass man irgendwo versucht, eine Hintertür zu finden und zu sagen: „Nein, das kann nicht sein.“

[49:32] Die zweite Phase ist Wut. Manchmal Freude, je nachdem. Das kann ganz durcheinander gehen. Zorn, Angst. Das heißt, dass manchmal die Gefühle so überwältigend sind, so stark sind, dass es schwer ist, sich zu kontrollieren. Aber das ist auch gut, wenn man diese Gefühle nur an sich hineinfrisst. Dann tut es uns auch nicht gut. Sondern es ist auch gut, wenn man diese Gefühle auch verbalisieren kann. Wenn man auch die wahrnimmt. Wenn man auch weiß, das ist so. Wenn man das zulässt. Und diese Phasen des Trauerns, die brauchen auch eine gewisse Zeit. Ich kann das Trauern nicht sagen: „In zwei Wochen ist alles überwunden.“ Nein, das nicht wahrhaben wollen, das geht manchmal. Bei manchen Leuten geht das relativ kurz nur, vielleicht ein paar Minuten. Bei manchen geht das vielleicht auch ein paar Tage. Dieser zweite Aspekt, der kann auch verschieden lang dauern. Bei manchen Menschen einige Tage, bei manchen einige Wochen, bei manchen sogar auch Monate.

[50:24] Dann kommt die dritte Phase, das Suchen. Das heißt, dass man den anderen, den man verloren hat, irgendwo sucht. Zum Beispiel, dass man sich ständig Bilder anschaut, wo der andere drauf ist oder wo man gemeinsam drauf ist. Dass man schaut, welche Gegenstände sind denn hier, die mich an ihn erinnern. Das heißt, dass man irgendwo ständig etwas sucht, was mich mit dieser Person verbindet, was mich an ihn erinnert. Und dieses Suchen, das geht sogar manchmal so weit, dass Eltern manchmal von einem verstorbenen Kind, was ihnen vielleicht gestorben ist, das Kinderzimmer genauso lassen, wie es war, als er gestorben ist und das manchmal 20, 30 Jahre nicht verändern. Das heißt, sie wollen das Kind genauso, wie es in diesem Zimmer war, dort wieder von der Vorstellung her wieder hineinsetzen.

[51:13] Und dann kommt aber auch die Phase des Sich-Trennens. Das heißt, dass man dann auch bewusst sagt: „Okay, jetzt ist hier der Mensch nicht mehr da und ich muss jetzt mein Leben ohne diesen Menschen leben.“ Das heißt, dass man dann auch sagt: „Gut, ich muss irgendwo selbst eine eigene Persönlichkeit, eine ganze Persönlichkeit auch sein.“ Und das ist dann dieser vierte Punkt. Man kommt dann zur Akzeptanz. Ja, es ist so. Ich kann das nicht mehr verändern. Und dass man einen neuen Selbstbezug bekommt. Gerade wenn der Ehepartner stirbt. Und die Bibel sagt es ja, dass man nicht mehr zwei, sondern ein Fleisch ist. Das heißt, dass eigentlich ein Teil von mir selbst nicht mehr da ist, gestorben ist. Und das ist ein unglaublich starker Verlust, wo ich einen Teil meines Selbst damit verliere und vermisse.

[52:15] Und deswegen muss man dann auch dahin kommen, dass man überlegt: Wer bin ich jetzt eigentlich noch? Bin ich jetzt nur noch ein halber Mensch, ein Dreiviertelmensch? Wo ist meine eigene Identität? Wo ist meine Selbstannahme und mein Selbstverständnis? Und da irgendwo mich wieder zu fitten. Manchmal habe ich eine neue Rolle vielleicht. Manchmal habe ich auch ein neues Verständnis. Jetzt bin ich alleinstehend, auf einmal nur noch die Witwe oder Witwer. Das ist alles, das Leben verändert sich. Und das wieder neu zu akzeptieren und sich da hineinzufitten in diese neue Rolle, in dieses neue Denken. Das ist diese vierte Phase.

[52:52] Trauern braucht Begleitung. Man hat festgestellt, wenn Ehepartner ein Kind verlieren und sie sich nicht austauschen können darüber und sie keine Begleitung haben, dann führt das in über der Hälfte der Fälle zu einer Scheidung, weil jeder damit anders umgeht, weil die Belastung so groß ist. Aber wenn man gemeinsam trauern kann, wenn man eine Begleitung hat, sich gegenseitig hat oder auch von außen jemanden, einen Freund oder einen Seelsorger, der einen da begleiten kann, dann kann das sogar dazu führen, dass man noch enger zusammengeschweißt wird. Denn geteiltes Leid ist halbes Leid. Aber wenn jeder für sich trauert, dann kann das am Ende dazu führen, dass, wenn man sich einigelt, man sich im Endeffekt entfremdet.

[53:38] Wichtig ist, dass man Blockaden erkennt. Und auch hier kann ich nur empfehlen, ein Trauerseminar mitzumachen. Auch in vielen Adventgemeinden wird dieses Trauerseminar vom Deutschen Verein für Gesundheitspflege angeboten. Das ist auch sehr gut. Das kann ich nur empfehlen. Da spricht man auch darüber, wo es Blockaden gibt, wo ich dann vielleicht in einer Trauerphase stecken bleibe. Wo ich aber merke: „Eigentlich müsste ich jetzt hier dem Leben zuwenden.“ Oder wenn vielleicht die Freunde sagen: „Komm jetzt, das Leben geht doch weiter“, aber ich bin noch in einer anderen Phase. Und manchmal geht es zueinander vorbei, dass man sieht, wo habe ich Blockaden, gefühlsmäßige Blockaden oder mit mir selbst oder andere Dinge. Dass ich Blockaden erkenne.

[54:25] Und auch, dass ich wieder eine ganze Persönlichkeit werde. Das heißt, dass ich selber mich neu sehe. Wer bin ich? Was ist meine Aufgabe? Was ist meine Rolle? Was ist mein Ziel? Und da gibt es fünf Schritte zu dieser ganzen Persönlichkeit, die wir wieder werden. Nämlich erstens eine Selbstwertschätzung. Das heißt, dass ich mich selbst als Mensch, als ganze Persönlichkeit schätze. Dass ich mich nicht mehr definiere als der Ehepartner von dem Verstorbenen, sondern dass ich mich selber jetzt sehe. Und dass ich meine Selbstwertschätzung nicht durch meine Leistung, sondern durch der, wer ich bin. Dass ich Gottes Kind bin und dass ich mit Gott verbunden bin und dass ich in Gott meine Ziele, meine Berufung, meinen Sinn habe. So eine Selbstwertschätzung wieder finde.

[55:20] Zweitens, zweiter Schritt, dass ich den Wunsch habe, wieder eine ganze Persönlichkeit zu sein. Nach diesem Verlust ist es ja erst mal so, dass ich keine ganze Persönlichkeit mehr bin. Aber ich habe den Wunsch, ich will sie wieder werden. Ich will wieder heil werden. Die Wunde, die dort ist, soll wieder geschlossen werden. Und das führt dazu, nach dem Wunsch, eine ganze Persönlichkeit zu sein, dass ich auch mir das Ziel nehme. Nicht nur den Wunsch, sondern ich habe das Ziel. Ich nehme mir vor: „Ich will wieder ganz werden. Ich will wieder mich dem Leben zuwenden.“

[55:55] Und nach der Zielsetzung kommt die Verwirklichung. Das heißt, dass ich dann überlege, welche Schritte gehe ich jetzt? Was tue ich jetzt? Einmal für mich selber, aber es kann auch sein, dass ich vielleicht nach dem Tod des Ehepartners, nach einer gewissen Zeit der Trauer und der Verarbeitung, dass ich vielleicht irgendwann anfange, neue Kontakte zu knüpfen. Vielleicht neue Hobbys aufzunehmen. Vielleicht auch ein neues Umfeld habe. Dass ich mich wieder neuen Dingen zuwende und damit auch eine Wertschätzung meiner ganzen Persönlichkeit auch verwirkliche.

[56:26] Und das Letzte ist, das Fünfte ist die Aussicht. Das heißt, dass ich sehe, es verändert sich etwas. Dass ich für die Zukunft, dass ich Hoffnung für die Zukunft habe, Pläne für die Zukunft habe. Aussicht heißt, dass ich die Zukunftsperspektive, dass ich als ganze Persönlichkeit auch wieder weiterlebe. Das kann sogar bedeuten, wenn ich einen Ehepartner verliere und ich bin vielleicht noch ein bisschen jünger, dass ich auch überlege, wenn ich jetzt Witwe oder Witwer bin, ob auch Gott für mich wieder einen neuen Ehepartner eventuell hat. Aber das sind so Dinge, die auch damit zusammenspielen. Das kann ich aber erst nur dann auch wieder eingehen und auch wieder mich dafür öffnen, wenn ich mich als ganze Persönlichkeit wieder wahrnehme. Denn wenn der neue Ehepartner, den ich jetzt vielleicht nehmen würde, nur die Rolle des Alten wieder hineinschlüpfen will, das funktioniert nicht. Denn der wird immer anders sein als der andere. Und deswegen muss ich selbst erst mal wieder ganz werden, heil werden. Und dann kann ich auch erst wieder offen sein für eine neue Partnerschaft.

[57:31] Deswegen, Verlust des Lebens ist etwas, was eine sehr existenzielle, innere, tiefe Erfahrung ist, wo Gott heilen kann und wo wir uns gegenseitig aber auch helfen können, wie wir auch Schritt für Schritt das überwinden können. Und das Gute ist natürlich auch dabei, wenn Christen, wenn gläubige Menschen einen Menschen verlieren, dann wissen wir immer: Es ist nur vorübergehend. Wir sehen uns bald wieder. Es ist so, als ob jemand eine lange Reise unternimmt ans andere Ende der Welt und nach ein paar Jahren sehen wir uns wieder. Und so ist es hier auch. Ich weiß genau, wenn ich meinen Ehepartner oder meine Mutter, meinen Vater, meine Großeltern, mein Kind verliere, ich weiß, es dauert nicht mehr lange, wenn Jesus wiederkommt, dann sehen wir uns wieder. Und das ist auch eine Hoffnung, die wir haben, die uns Trost gibt, Trost gibt in der Trauer.

[58:22] Denn für den Menschen selbst, der gestorben ist, ist es ja in dem Sinne kein Verlust, weil er ja im nächsten Moment die Jesu Wiederkunft und die Nähe Jesu erlebt. Aber für den Hinterbliebenen ist es der Verlust. Aber die Hoffnung auf Jesu Wiederkunft, auf das Wiedersehen bei der Auferstehung macht es uns das leichter, mit dieser Hoffnung, mit dieser Trauer, mit diesem Verlust auch umzugehen.

[58:42] Ja, noch einmal zum Schluss den Bibeltext aus Philipper 3, Vers 7 und 8, wo Paulus uns noch mal ganz klar die Werte zeigt, was unserem Leben wichtig ist und was nicht so wichtig sein sollte. Da sagt er: „Aber was mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Schaden erachtet. Ja, ich erachte es noch alles für Schaden gegenüber der überschwänglichen Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn. Um seinetwillen ist mir das alles ein Schaden geworden und ich erachte es für Dreck, auf dass ich Christus gewinne.“

[59:12] Meine Lieben, wenn wir Verlusterfahrungen haben, egal in welcher Art, das Wichtigste ist, dass wir bei Gott bleiben. Wenn wir Gott verlieren, wenn wir Jesus verlieren, das ist ein Verlust, der wirklich das Schlimmste im Leben ist, weil ich dann vielleicht das ewige Leben damit verliere. Aber solange ich an Jesus bleibe, an ihm festhalte, kann er mich durch alles hindurch tragen. Jesus ist im Himmel mein Hoher Priester, der mich versteht, der mir hilft, der für mich eintritt, der mir alles sagen kann. Deswegen ist es wichtig, dass wir in jeder Verlusterfahrung bei Gott bleiben, auch wenn wir es nicht verstehen, auch wenn wir innerlich zornig sind, wenn wir wütend sind, dass wir es Gott sagen, dass wir an ihm festhalten und dass wir wissen, er wird es gut machen.

[1:00:04] Ich lade euch ein, dass wir noch zusammen beten. Himmlischer Vater, wir danken dir von ganzem Herzen. Wir danken dir, dass du uns Menschen kennst, dass du Herr Jesus Mensch geworden bist und dass du auch Zeiten des Verlustes und auch der Erfahrung von Verlusten von Menschen, von lieben Menschen oder auch von der Freiheit erlebt hast. Herr, wir danken dir, dass du uns verstehst, wenn wir auch in Schwierigkeiten, im Leid, in Krankheit stecken. Herr, hab Dank, dass wir mit allen Dingen zu dir kommen dürfen. Ich bitte dich, dass du uns festhältst in solchen Situationen der Schwierigkeit, dass du uns hilfst, Beziehungen wieder aufzubauen, wenn sie zerbrochen sind, dass du uns hilfst, mit dem Tod von nahen Angehörigen innerlich zurechtzukommen, Trost zu haben durch dich und durch dein Wort. Herr Jesus, bleib in unserem Herzen. Wir bitten dich, dass wir jeden Tag eng mit dir verbunden sind und dass wir in dir und durch dich Frieden haben dürfen. In Jesu Namen. Amen.

[1:01:17] Das war das Thema Nummer neun, Zeiten des Verlustes. Herzliche Einladung zur Lektion Nummer zehn: Kleine Problemzeiten. Ein spannendes Thema.


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