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Der Ersehnte

„Der Ersehnte“ wird das Leben und Wirken von Jesus Christus detailliert und chronologisch beleuchten. Die verschiedenen Evangeliumsberichte werden in ein harmonisches Ganzes zusammengefügt und die vielen alttestamentlichen Wurzeln und Bezüge aufgezeigt. Über allem steht der Wunsch, unseren Herrn und Erlöser in Seinem alltäglichen Leben besser kennen zu lernen. Diese Aufnahmen sind einer Videoserie auf https://www.joelmedia.de/serien/der-ersehnte/ entnommen.

Dieser Podcast beinhaltet die folgende Serie:


In dieser Folge von „Der Ersehnte“ tauchen wir tiefer in die Lehren Jesu während eines Gastmahls bei einem Pharisäer ein. Christopher Kramp beleuchtet, welche überraschenden Ratschläge Jesus für die Auswahl unserer Gäste gibt und was dies für unser Verständnis von wahrer Nächstenliebe bedeutet.


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Serie: Der Ersehnte – Ein chronologisches Studium über das Leben und Wirken von Jesus Christus

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Transkript

[0:30] Hallo und herzlich willkommen zu unserem Seminar „Der Ersehnte“ hier auf www.joelmedia.de. Wir sind mitten in Lukas 14. Jesus ist bei einem Gastmahl eingeladen und Lukas hat einiges von diesem Gastmahl zu berichten, und wir wollen heute einen weiteren Textabschnitt in Lukas 14 uns genauer anschauen. Bevor wir das tun, möchten wir Gott einladen, unser Studium zu segnen, und wenn es dir möglich ist, dann lade ich dich auch ein, gemeinsam mit uns hier niederzuknien.

[1:15] Lieber Vater im Himmel, ich möchte Danke sagen für die Gelegenheit, dass wir jetzt über dein Wort nachdenken können. Ich möchte dich bitten, dass du zu uns persönlich sprichst. Herr, hilf uns, dein Wort wirklich so zu verstehen, wie du es gemeint hast. Halte alles Störende fern und sprich direkt zu unserem Herzen und hab Dank dafür, im Namen Jesu. Amen.

[1:47] Wir sind in Lukas Kapitel 14. Jesus ist, wie gerade schon erwähnt, eingeladen bei einem Obersten der Pharisäer, so haben wir das in Vers 1 gelesen. Es gab dort dieses besondere Heilungswunder: Ein Mann, der diese Ödeme gehabt hat, diese Wassersucht, der ist geheilt worden. Und Jesus hat über die Frage der Heilung am Sabbat gesprochen. Und dann hat er bemerkt – das haben wir das letzte Mal angeschaut –, wie die Gäste darauf geachtet haben, einen möglichst guten Platz zu bekommen. Und Jesus spricht dann zu ihnen und gibt ihnen dieses Gleichnis und sagt: „Wenn du bei einer Hochzeit eingeladen bist, dann setz dich auf den untersten Platz, damit du dann nach vorne geholt wirst und nicht andersherum.“ Und es endete dort in diesem Gleichnis mit diesem wichtigen Gedanken in Vers 11: „Denn jeder, der sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden, und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden.“

[2:50] Wir kommen jetzt zu Vers 12 und sehen, dass Jesus noch mehr bei diesem Gastmahl zu sagen hatte. Es heißt hier: Er sagte aber auch zu dem, der ihn eingeladen hatte: „Wenn du ein Mittags- oder Abendmahl machst, so lade nicht deine Freunde, noch deine Brüder, noch deine Verwandten, noch reiche Nachbarn ein, damit nicht etwa auch sie dich wieder einladen und dir vergolten wird, sondern wenn du ein Gastmahl machst, so lade Arme, Lahme, Blinde ein, so wirst du glückselig sein. Denn weil sie es dir nicht vergelten können, wird es dir vergolten werden bei der Auferstehung der Gerechten.“

[3:28] Jesus wendet sich direkt an den, der ihn eingeladen hat. Wir haben in Vers 1 gesehen: „Und es begab sich, als er am Sabbat in das Haus eines Obersten der Pharisäer ging, um zu speisen.“ Dies ist nicht nur ein Pharisäer, dies ist einer der Höchsten überhaupt, einer mit ganz viel sozialem Prestige, einer, zu dem auch die anderen Pharisäer, die selbst ja Vorbilder für viele Teile der Bevölkerung sind, aufschauen. Einer der zu den geachtetsten Persönlichkeiten in der gesamten Gesellschaft zählt. Jesus, der Wanderprediger, der keinen einzigen Schulabschluss hat, spricht zu dem Obersten der Pharisäer. Er hatte auch schon mit Nikodemus gesprochen, er hatte mit römischen Hauptmännern gesprochen. Jesus hatte keine Furcht, Menschen auch in hoher Position anzusprechen.

[4:34] Wenn er Menschen begegnete, die aus weltlicher Perspektive viel Autorität hatten, dann hat er die Wahrheit nicht abgeschwächt. Er hat sie nicht einfach ausgelassen. Jesus hat in Liebe und mit Demut auch hochgestellten Personen die Wahrheit direkt gesagt und gefiltert. Manchmal glauben wir, dass wenn wir mit Menschen in Kontakt kommen, die einen besonderen Einfluss haben, eine besondere Position haben, besondere Autorität, dass das irgendwie den Inhalt unserer Botschaft verändern müsste, aber das ist nicht der Fall. Daniel, der gefangene Hebräer, hat dem Großkönig Nebukadnezar, dem mächtigsten Mann der Welt, ins Gesicht gesagt – liebevoll und mit Freundlichkeit, aber ins Gesicht –, was die prophetische Botschaft ausgesagt hat.

[5:35] „Er sagte aber auch zu dem, der ihn eingeladen hatte.“ Man hätte ja denken können, dass Jesus gedacht hat: „Na, ich bin jetzt eingeladen worden von ihm, da sage ich einfach nichts, da lasse ich das alles quasi über mich ergehen, was hier vielleicht auch nicht so gut läuft.“ Aber Jesus wollte nicht einfach nur ein Festmahl genießen. Für ihn war es eine Gelegenheit, geistliche Botschaften weiterzugeben. Nicht um den Menschen irgendwie weh zu tun, sondern um sie näher zu Gott zu führen, um ihnen geistliche Lehren zu zeigen, die wichtig sind für ihr Leben. Wenn wir in Gesellschaft sind, sehen wir die Gelegenheiten, geistliche Botschaften, geistliche Prinzipien weiterzugeben.

[6:26] Dieser Mann hatte ihn eingeladen und Jesus spricht jetzt über das Einladen, und die Art und Weise, wie er das tut, macht deutlich, dass er dem Gastgeber zu verstehen gibt, dass es etwas aus Gottes Perspektive zu kritisieren gibt an der Einladung. Er sagt zu ihm: „Wenn du ein Mittags- oder Abendmahl machst“ – das sind die beiden großen Mahlzeiten, die es damals in der griechisch-römischen Antike gegeben hat, die offensichtlich hier auch in Palästina zentral gewesen waren. Das ist einmal das „Ariston“, das ist eigentlich das Frühstück, die erste wesentliche Mahlzeit am Tag. Dieses Frühstück wurde aber in der Regel erst gegen Mittag eingenommen. Man könnte also sozusagen in Anführungsstrichen sagen: eine Art Brunch, ein Frühstück um die Mittagszeit. Und dann die zweite, die eigentliche Hauptmahlzeit, das ist das „Deipnon“, die Hauptmahlzeit zum Abend, wo am meisten gegessen wurde.

[7:47] In beiden Fällen, zum Brunch und zum Abendessen, kann man gerne Leute einladen. Jesus sagt: „Egal, ob du zu diesem oder zu diesem einlädst, was immer du machst, wenn du ein Mittags- oder Abendmahl machst, so lade nicht deine Freunde, noch deine Brüder, noch deine Verwandten, noch reiche Nachbarn ein, damit nicht etwa auch sie dich wieder einladen und dir vergolten wird.“ Die Idee, dass man nicht einfach nur seine Freunde und reiche Nachbarn einlädt, die kommt auch schon an anderer Stelle in der Bibel vor. In Sprüche 14, Vers 20 sehen wir eine Wahrheit, die wir auch aus eigener Erfahrung sicherlich aus eigener Beobachtung zumindest bestätigen können: „Ein Armer wird sogar von seinem Nächsten gehasst, ein Reicher hat viele Freunde.“ Die reichen Nachbarn werden gerne eingeladen, die haben viele Freunde, die werden zu jeder Party mit bedacht. Wer reich ist, muss sich normalerweise in unserer Welt um soziale Kontakte in der Regel nicht besonders bemühen. Wer reich ist, wird gerne eingeladen.

[9:13] In Jakobus Kapitel 2, ab Vers 1, legt Jakobus, Gemeindeleiter in Jerusalem, in seinem Rundbrief an die Gemeinden den Finger in die Wunde und spricht Dinge an, die auch für uns heute noch entscheidend sind. Wie gehen wir damit um, dass unterschiedliche Gesellschaftsschichten in der Gemeinde vertreten sind? Jakobus 2, Vers 1: „Meine Brüder, verbindet den Glauben an unseren Herrn Jesus Christus, den Herrn der Herrlichkeit, nicht mit Ansehen der Person. Denn wenn in eure Versammlung ein Mann käme mit goldenen Ringen und in prächtiger Kleidung, es käme aber auch ein Armer in unsauberer Kleidung, und ihr würdet euch nach dem umsehen, der die prächtige Kleidung trägt und zu ihm sagen: ‚Setze du dich hier auf diesen guten Platz‘, zu dem aber würdet ihr sagen: ‚Bleibe du dort stehen oder setze dich hier an meinen Fußschemel‘ – würdet ihr dann nicht Unterschiede unter euch machen und nach verwerflichen Grundsätzen richten?“

[10:25] „Hört, meine geliebten Brüder, hat nicht Gott die Armen dieser Welt erwählt, dass sie reich im Glauben würden und Erben des Reiches, das er denen verheißen hat, die ihn lieben? Ihr aber habt den Armen verachtet. Sind es nicht die Reichen, die euch unterdrücken und ziehen nicht sie euch vor Gericht?“ Wer einen Unterschied macht zwischen den Reichen und den Armen, wer gerne die Reichen einlädt und mit ihnen Gesellschaft hat, aber die Armen draußen vorlässt, der handelt, so Jakobus, nach verwerflichen Grundsätzen, nach weltlichen Grundsätzen.

[11:03] Dieser Mann hat zwar Jesus eingeladen, einen armen Wanderprediger, aber vor allem waren es Freunde und Verwandte und reiche Nachbarn und Brüder, andere Pharisäer. Und Jesus fordert ihn heraus. Jesus konfrontiert ihn mit dieser Praxis. Er sagt: „Du hast zwar hier ein Festmahl gemacht und hast viele Reiche und Bekannte, Verwandte eingeladen, aber sie werden dich zurückeinladen. Du hast vor Gott keinen Lohn sozusagen, wenn du Menschen einlädst, die schon auf dieser Erde es dir zurückzahlen können.“

[11:57] Das Ziel soll also offensichtlich nicht sein, dass wir Dinge tun, damit sie uns von Menschen wieder vergolten werden. In Lukas 6, Vers 32 bis 36 lesen wir: „Und wenn ihr die liebt, die euch lieben, was für einen Dank erwartet ihr dafür? Denn auch die Sünder lieben die, welche sie lieben. Und wenn ihr denen Gutes tut, die euch Gutes tun, was für einen Dank erwartet ihr dafür? Denn auch die Sünder tun dasselbe.“ Jesus hat hier schon deutlich gemacht: Wenn wir nur denen etwas Gutes tun, von denen wir auch wissen, dass sie uns Gutes tun werden oder dass sie uns überhaupt Gutes tun können, dann haben wir nichts Besonderes getan. „Vielmehr liebt eure Feinde und tut Gutes und leiht, ohne etwas dafür zu hoffen. So wird euer Lohn groß sein und ihr werdet Söhne des Höchsten sein, denn er ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen. Darum seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.“

[13:02] Wenn wir Dinge tun aus Berechnung – „Ich kann in diesen Menschen investieren, weil er wird auch wieder gut für mich sein, ich werde etwas von ihm haben“ – dann handeln wir nicht anders als Menschen, die Gott nicht kennen. Denn auch Weltmenschen denken so. Sie überlegen sich: Lohnt es sich hier in diese Beziehung zu investieren? Lohnt es sich etwas zu geben? Lohnt es sich hier Zeit zu verbringen? Und wenn sie den Eindruck haben, ja, ich werde in diesem Leben von diesen Menschen etwas Wertvolles zurückbekommen, dann sind sie bereit, freundlich zu sein, Zeit zu investieren, vielleicht Geld zu investieren. Aber wenn Menschen, die weltlich denken, nicht den Eindruck haben, sie können dadurch etwas gewinnen, dann sehen sie das nur als Zeitverschwendung.

[13:51] Dieser oberste Pharisäer hat offensichtlich Menschen eingeladen, von denen er gehofft hat, dann auch wieder etwas zurückzubekommen. Jesus macht deutlich, dass er damit eigentlich nicht anders handelt als jeder andere Mensch, der gar nicht wirklich an Gott glaubt. Kann es sein, dass wir manchmal zwar ein klares, deutliches, starkes Bekenntnis zur Bibel aussprechen, aber in unserer Freizeit, in unseren sozialen Beziehungen nach Prinzipien handeln, die auch jeder Atheist praktiziert?

[14:40] Den gleichen Gedanken wie hier in Lukas 6 finden wir auch in Matthäus Kapitel 5, Vers 46: „Denn wenn ihr die liebt, die euch lieben, was habt ihr für einen Lohn? Tun nicht auch die Zöllner dasselbe?“ Und wir sehen in den nächsten Versen in Matthäus 6, dass es Menschen damals gab – Jesus macht das ganz deutlich –, die es toll fanden, wenn man sie bei guten Werken sah: „Habt Acht, dass ihr eure Almosen nicht vor den Leuten gebt, um von ihnen gesehen zu werden. Sonst habt ihr keinen Lohn bei eurem Vater im Himmel. Wenn du nun Almosen gibst, sollst du nicht vor dir her posaunen lassen, wie es die Heuchler in den Synagogen und auf den Gassen tun, um von den Leuten gepriesen zu werden. Wahrlich, ich sage euch, sie haben ihren Lohn schon empfangen.“

[15:31] Hier ist ein interessantes Prinzip. Die Pharisäer und die Schriftgelehrten, die wollten Aufmerksamkeit von Menschen. Sie haben etwas Gutes getan, um dann einen Lohn von Menschen zu bekommen. Der Lohn war in dem Fall der Applaus. Jesus macht deutlich: Wenn du darauf aus bist, dass du etwas von Menschen zurückbekommst, von denselben Menschen oder von anderen, die es sehen, dann hast du keinen Lohn bei Gott.

[16:00] „Wenn du aber Almosen gibst, so soll deine linke Hand nicht wissen, was deine rechte tut, damit dein Almosen im Verborgenen ist und dein Vater, der ins Verborgene sieht, er wird es dir öffentlich vergelten.“ Ja, es ist eine Anstrengung, viele Menschen zum Gastmahl einzuladen. Man hat Aufwendungen, man muss Geld investieren, man muss das vorbereiten. Es ist durchaus eine Belastung, aber wer das tut, weil er sich sicher ist, dann selbst auch wieder eingeladen zu werden, der hat noch nichts wirklich getan, was vor Gott besonderen Wert hat.

[16:41] Jesus sagt in Lukas 14: „Sondern wenn du ein Gastmahl machst, so lade Arme, Lahme, Blinde ein.“ Hier verwendet Jesus ein Wort, das einfach so viel bedeutet wie ein Empfang. Wenn du ein Mahl gibst, um Menschen zu empfangen – im Englischen sagt man „Reception“ –, dann lade die Armen ein. Hat Jesus hier etwas Neues erfunden? Hat er eine neue Lehre aufgestellt? Etwas, was der Oberste der Pharisäer nicht hätte wissen können? Nein, wie immer versucht Jesus im Neuen Testament, den Menschen seiner Zeit das nahezulegen, was längst im Alten Testament geschrieben stand. Er wollte die Botschaft des Alten Testaments lebensnah, praktisch in den Alltag der Menschen bringen.

[17:42] Denn das, was er hier sagt in Vers 13, das findet sich so bereits in 5. Mose 14. Der Oberste der Pharisäer wusste das. Er wird hier nicht mit einer neuen Idee konfrontiert, über die man noch nie hätte nachdenken können, sondern er wird damit konfrontiert, dass Jesus ihm quasi aus der Bibel zeigt, was er eigentlich hätte tun sollen. 5. Mose 14, Vers 29: „Da soll dann der Levit kommen, weil er weder Teil noch Erbe mit dir hat, und der Fremdling und die Waise und die Witwe, die in deinen Toren sind, und sie sollen essen und sich sättigen, damit dich der Herr, dein Gott, segne in allen Werken deiner Hände, die du tust.“

[18:26] Da ist die Rede davon, dass wenn man zum Tempel geht und dort ein besonderes Fest feiert und dort Gemeinschaft hat, dann sollen auch die, die nicht so situiert sind, dass sie sich selbst bewirten können, Teil haben. Die Waise, die Witwe, der Fremdling, der Arme, der Levit, der selbst keine Erwerbstätigkeit hat im Sinne einer eigenen Beschäftigung, weil er ja für das Heiligtum arbeitet. Sie sollen dazu kommen. Und die ganze Idee dahinter war, dass wenn man bei besonderen Festzeiten das praktiziert, wenn man bei besonderen religiösen Zusammenkünften auch an die Armen denkt und sieht, welchen Segen das gibt – nicht nur für die Armen, sondern auch für einen selbst –, dass es zu einem Lebensstil wird, dass man das auch dann macht, wenn man nicht gerade beim Tempel ist.

[19:16] 5. Mose 16, Vers 11: „Und du sollst fröhlich sein vor dem Herrn, deinem Gott, du und dein Sohn und deine Tochter und dein Knecht und deine Magd und der Levit, der in deinen Toren ist, und der Fremdling und die Waise und die Witwe, die in deiner Mitte sind.“ Auch hier das Prinzip: die Armen, die weniger Begünstigten teilhaben lassen. Wir sehen dieses Prinzip im Alten Testament immer und immer wieder.

[19:51] Hiob 31, ab Vers 16: „Habe ich den Armen versagt, was sie begehrten, und die Augen der Witwe verschmachten lassen? Habe ich meinen Bissen allein verzehrt und hat der Verwaiste nichts davon essen können? Wahrlich, von meiner Jugend auf ist er bei mir aufgewachsen wie bei einem Vater, und von meiner Mutterleib habe ich die Witwe geführt.“ Und hier sieht man deutlich: Das Leben, das das Alte Testament eigentlich vorschlägt, ist nicht eins, wo man nur exklusiv bei den besonderen Festsabbaten am Tempel den Armen hilft, sondern Hiob sagt, das war mein Lebensstil. Das war ganz selbstverständlich für mich.

[20:54] Sprüche 14, Vers 31: „Wer den Schwachen unterdrückt, der lästert seinen Schöpfer. Wer ihn aber ehren will, der erbarmt sich über den Armen.“ Jesus macht ganz deutlich: „Ihr Pharisäer, ihr redet von der Ehre Gottes, ihr diskutiert über die Auslegung der Bibel, aber ihr entehrt Gott, indem ihr den Armen nichts gönnt und sie einfach außen vor lasst.“

[21:26] Und dann haben wir Jesaja 58, das Fasten. Auch das ein Text, den der Oberste der Pharisäer ganz sicher gekannt hat, wo Jesaja deutlich macht: Das wahre Fasten besteht nicht einfach nur in einem Nicht-Essen. Das wahre Fasten wird in Vers 7 so beschrieben: „Besteht es nicht darin, dass du dem Hungrigen dein Brot brichst und arme Verfolgte in dein Haus führst, dass, wenn du einen Entblößten siehst, du ihn bekleidest und dich deinem eigenen Fleisch nicht entziehst?“ Hier steht exakt das, was Jesus in Lukas 14 vorschlägt. Jesus hat nichts Neues gemacht. Er hat die Botschaft des Alten Testaments in ein neues Licht getaucht und gesagt: „Es ist wichtig, das ist notwendig. Tut das bitte.“

[22:17] „Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte und deine Heilung wird rasche Fortschritte machen. Deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen und die Herrlichkeit des Herrn wird deine Nachhut sein. Dann wirst du rufen und der Herr wird antworten. Du wirst schreien und er wird sagen: ‚Hier bin ich.‘ Wenn du das Joch aus deiner Mitte hinweg tust, das höhnische Fingerzeigen und das unheilvolle Reden, wenn du dem Hungrigen dein Herz darreichst“ – also nicht nur gezwungenermaßen ein paar Brotkrumen jemandem geben, damit es jetzt endlich aufhört, sondern wirklich ein Herz haben für die, die weniger haben. „Wenn du dem Hungrigen dein Herz darreichst und die verschmachtende Seele sättigst, dann wird dein Licht in der Finsternis aufgehen und dein Dunkel wird sein wie der Mittag.“

[23:05] Was Jesus dem Obersten der Pharisäer sagt, ist letztendlich: „Ist dir eigentlich bewusst, was die Bibel, die du zu lehren vorgibst, zu diesem Thema eigentlich sagt?“ Und er lädt ihn ein: „Wenn du so ein Gastmahl machst, mach doch mal das, was in der Bibel tatsächlich steht. Rede doch nicht theoretisch von der Auslegung der Bibel, sondern tu das, was praktisch in der Bibel steht. Lade die Armen ein, gib den Hungrigen zu essen.“

[23:42] Ja, du wirst in diesem Leben keinen Lohn dafür bekommen. Die Hungrigen werden dich nicht zurückeinladen können. Die Armen werden dir das nicht vergelten können. Aber Jesus sagt in Lukas 14, Vers 14: „So wirst du glückselig sein. Warum? Denn weil sie es dir nicht vergelten können, wird es dir vergolten werden bei der Auferstehung der Gerechten.“ Hier sehen wir das, was wir auch schon in der Bergpredigt gesehen haben: Wenn wir nur Dinge tun aus Berechnung, damit wir das wieder zurückbekommen, dann hat das keine Auswirkung auf unser ewiges Leben. Aber wenn wir aus Liebe geben, ohne etwas zurückzuerwarten, wenn wir etwas opfern ohne Berechnung, dann wird Gott es uns reich vergelten.

[24:33] Es wird dir vergolten werden bei der Auferstehung der Gerechten. Und Sprüche 19, Vers 17: „Wer sich über den Armen erbarmt, der leiht dem Herrn, und er, also der Herr, wird ihm seine Wohltat vergelten.“ Auch dieser Vers aus Lukas 14 kommt also aus dem Alten Testament. Jesus predigt zu Pharisäern, zu Experten für das Alte Testament. Er predigt das Alte Testament zu ihnen und zeigt, wie es eigentlich wirklich auf ihr Leben anzuwenden ist.

[25:19] Was würde Jesus tun, wenn er heute unter uns wäre? Wenn wir ihn einladen würden zu einem Gastmahl, würde er nicht auch die Gelegenheit nutzen, uns beim Gastmahl, beim gemeinsamen Essen, auf das aufmerksam zu machen, was wir irgendwie in der Bibel übersehen? Würde er nicht beim Essen uns daran erinnern, was die klaren, einfachen, praktischen Lehren der Bibel sind? Wir, die wir so oft über abstrakte theologische Konstrukte streiten, würde er nicht auch uns daran erinnern, was unsere Pflicht vor der Bibel ist?

[26:07] Übrigens, wir sind eingeladen oder wir dürfen Jesus einladen zum Gastmahl. In Offenbarung 3, Vers 20 steht: „Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme hört und die Tür öffnet, so werde ich zu ihm hineingehen und das Mahl mit ihm essen und er mit mir.“ Wenn Jesus Gemeinschaft mit uns haben darf, wenn wir ihn in unser Herz hineinlassen, wird er nicht genauso wie beim Gastmahl damals auch unsere Herzen auf die praktischen Wahrheiten der Bibel hinweisen, dorthin lenken und uns zeigen, dass es in diesem Leben nicht darauf ankommt, dass wir mit Berechnung überlegen: „Wie viel kann ich hier investieren und was bekomme ich dann wieder heraus?“, sondern dass wir den Menschen zeigen, wie Gott ist. Gott hat nicht berechnend seinen Sohn gegeben. Er hat mehr investiert, als er jemals zurückbekommen wird. Aber er hat das aus Liebe getan.

[27:15] Und wenn wir das tun in diesem Leben, wenn wir uns nicht die Frage stellen: „Was springt am Ende für mich dabei heraus?“, sondern wenn wir uns wirklich die Frage stellen: „Wie kann ich für andere ein Segen sein, andere, die es wirklich benötigen, sowohl materiell als auch geistlich?“, dann werden wir unseren Lohn empfangen. Johannes 5, Vers 29: Diesen Lohn empfangen wir nicht auf dieser Erde von Menschen, sondern bei der Auferstehung der Gerechten von Gott selbst. „Und sie werden hervorgehen, die das Gute getan haben, zur Auferstehung des Lebens, die das Böse getan haben, zur Auferstehung des Gerichts.“ Das Geschenk, das wir bekommen werden, ist ewiges Leben.

[28:03] Lieber Freund, liebe Freundin, gibt es auch in unserem Leben, in unserem Alltag Dinge, wo wir aus Berechnung handeln? Wo wir überlegen, was wir zurückbekommen werden, und nicht an der Zeit auch Jesus in diesen Bereichen unseres Lebens hineinzulassen? Ist es nicht an der Zeit, von ihm zu lernen, wie die einfachen, praktischen Wahrheiten der Bibel in unserem Leben angewendet werden? Was nützt es, wenn man ein Pharisäer ist und die Texte aus Jesaja 58 auswendig kennt, aber in der Praxis dann doch nur die reichen Freunde einlädt? Es nützt nicht zu wissen, was in der Bibel steht. Wir müssen es tatsächlich tun. Jesus rät dem Obersten: „Lade die Armen, die Blinden ein.“

[28:58] Jesus lädt uns ein. Wir, die wir nichts bringen können, wir, die wir nichts haben. Er möchte mit uns ein Gastmahl halten, obwohl wir ihm das niemals zurückzahlen können. Wenn wir das tun, was hier in Lukas 14 Jesus nicht nur dem Obersten, sondern auch uns sagt, dann werden wir selbst beim Essen und Trinken zu einem Vorbild, zu einem Typus, zu einer Illustration für Jesus. Ich möchte mir vornehmen, möchte lernen, wie wir auch in den Alltagssituationen, beim Brunch und beim Abendessen, wenn wir in Gesellschaft mit anderen Menschen sind, wie wir zum Bild von Jesus werden können, der uns alle, die wir arm und elend und erbärmlich, wie Offenbarung 3 sagt, der uns einlädt. Möchtest du auch Menschen segnen, für sie da sein, die dir es nicht zurückzahlen können? Dann lass uns noch gemeinsam niederknien und beten.

[30:12] Lieber Vater im Himmel, ich möchte dir Danke sagen, dass du durch dein Wort zu uns gesprochen hast. Und Herr, du weißt, wie oft wir Gelegenheiten verpassen, das praktisch zu tun, was in deinem Wort steht. Ich möchte dich von Herzen bitten, dass du mir und uns mit deinem Heiligen Geist zeigst, wo wir genau das, was dein Wort eigentlich sagt, in unserem Leben im Alltag praktisch tun können, wo wir ein Opfer bringen können für andere, ohne etwas zurückzuerwarten, um damit dich und dein Evangelium vor anderen sichtbar zu machen. Herr, schenk uns dazu Gelegenheiten, Kraft und Freude. Das bitten wir im Namen Jesu. Amen.


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