[0:00] Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe der Cannstatt Study Hour. Dieses Quartal geht es ja um das Thema "Die Rolle der Gemeinde in der Gesellschaft". Und heute wollen wir uns ganz speziell das achte Thema anschauen unter der Überschrift "Jesus bewies Mitgefühl".
[0:31] Dieses Thema, was wir heute besprechen, ist natürlich nicht ganz losgelöst von den anderen Themen. Und insgesamt wollen wir ja auch das Ziel der gesamten Lektion nicht aus den Augen verlieren und uns auf einen kleinen Teilaspekt konzentrieren, sondern das große Ganze nach wie vor sehen. Was ist denn die Rolle der Gemeinde in der Gesellschaft? Wozu gibt es denn die Gemeinde? Was sollen wir denn tun? Ist es nicht so, dass Gott letzten Endes Menschen erreichen möchte, ihnen wieder das ewige Leben geben möchte?
[1:13] Und so sehen wir, was die Elemente von Jesu Mission auf dieser Erde waren. Denn um Menschen zu erreichen, um sie wieder zu Gott zurückzubringen, müssen sie ja wieder in das Vertrauen zu Gott gebracht werden. Aber wie kann man jemandem vertrauen, wenn man ihn nicht kennt? Und so war eine der größten Aufgaben, die Jesus hatte, diejenige, dass er den Vater im Himmel darstellen wollte. Er wollte zeigen, wie Gott ist und zwar im Leben eines Menschen. Weil jemand, den wir nicht sehen können, mit dem wir nicht interagieren können wie mit jedem anderen Menschen auf diesem Planeten, ist erstmal eine ungewohnte Art von Beziehung. Und so ist es leichter für Menschen, zu Gott Vertrauen zu gewinnen, wenn sie durch Menschen Gottes Charakter sehen. Wenn sie erkennen können: Aha, so wie der Mensch ist, ist auch Gott, dann haben sie Vertrauen auch zu Gott.
[2:18] Und so schauen wir halt in das Leben Jesu hinein und wollen sehen, was hat er denn alles getan? Wie hat er es getan? Und wie ist er mit Menschen umgegangen, sodass dieses Ziel, Menschen dazu zu führen, Gott wieder zu vertrauen, wie er es umgesetzt hat? Und da schauen wir als erstes uns mal den Text in Johannes 14, Vers 8 und 9 an. Das ist die Begebenheit, wo Philippus fragt: "Herr, zeig uns doch mal den Vater." Und Jesus antwortet dann in Johannes 14, Vers 9: "Jesus spricht zu ihm: So lange Zeit bin ich bei euch, und du hast mich noch nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, der hat den Vater gesehen. Wie kannst du da sagen: Zeige uns den Vater?" Also wir sehen in diesem Text ganz klar: Jesu Mission war, den Vater darzustellen, zu zeigen: So ist Gott, so ist unser Vater im Himmel, unser Schöpfer.
[3:15] Was ist es denn, was Jesus am meisten über Gott aussagen konnte durch sein Leben? Die Bibel sagt immer und immer wieder, dass Gott Liebe ist. Gott ist der Ursprung der Liebe. Liebe hat niemand, außer dadurch, dass sie vom Vater ihm gegeben wird. Und interessanterweise gibt es diesen folgenden Vers in Johannes 13, Vers 35, wo es heißt: "Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt." Es ist also so, dass die Menschen sehen: Aha, da muss ein Unterschied sein zwischen denen, die Gott nachfolgen, und denen, die Gott nicht kennen. Weil offensichtlich geht es halt nicht anders, dass man Liebe bekommt, Liebe ausüben kann, ohne dass man sie von Gott nimmt, von Gott bekommt und dann weitergibt, ausübt. Und Jesus hat das im praktischen Leben immer und immer wieder gezeigt, was es wirklich heißt zu lieben, was Liebe wirklich bedeutet, um dadurch den Charakter Gottes, seines Vaters darzustellen.
[4:34] Und wenn wir uns jetzt heute anschauen, dieses Mitgefühl, was Jesus gezeigt hat, dann ist das Mitgefühl ja nicht etwas, was parallel zur Liebe läuft, sondern Mitgefühl ist ein Teil der Liebe, ein Element dessen, was Liebe als Ganzes wirklich ausmacht. Und so schauen wir uns ein bisschen an, wie ist es im Leben Jesu eigentlich gewesen? Warum hatte er Mitgefühl? Wo kam sein Mitgefühl her? Wie entsteht Mitgefühl überhaupt? Weil wisst ihr, manchmal schauen wir uns so ein bisschen an, eine Überschrift heißt ja beispielsweise auch: "Jesus weinte." Und dann denkt man sich: Oh ja, Jesus hatte ja auch Gefühle. Natürlich hatte Jesus Gefühle und Emotionen, die sind ja im Bilde Gottes geschaffen. Und wenn wir in der Lage sind zu fühlen und Emotionen zu haben und Mitleid zu haben und all diese Dinge, dann kommt es ja daher, weil Gott es auch hat und wir in seinem Bilde geschaffen sind, es dann auch tun können. Und so ist es nicht verwunderlich, dass Jesus Mitgefühl hat und Liebe zeigt und Emotionen und Gefühle hat, aber sie kommen nicht von ungefähr, sondern sie haben ein gewisses Fundament, eine Grundlage, woraus sie entspringen.
[6:04] Und diese Grundlage wollen wir uns jetzt ein bisschen anschauen. Es geht nun mal darum, in den letzten Themen haben wir gesehen, dass Jesus was gemacht hatte: Er mischte sich unter das Volk, also er kam in Kontakt mit Menschen. Aber er kam nicht einfach nur so mit ihnen in Kontakt, um sage ich mal eine schöne Zeit mit ihnen zu haben, sondern er mischte sich unter die Menschen, um das Beste für sie zu suchen, um ihnen zu helfen, um für sie da zu sein, um das Beste in ihrem Leben fördern zu können. Und wenn das die Grundlage ist, dann ist das halt ein Ausdruck der Liebe. Liebe ganz praktisch, denn Liebe drängt einen dazu, den Anderen zu suchen. Liebe ist in dieser Dimension sehr, sehr stark, dass sie das Interesse am Anderen hat. Sie achtet den Anderen höher als sich selbst und deswegen ist es nicht verwunderlich, dass man dann das Beste des Anderen versucht zu suchen, sich für ihn einzusetzen, für ihn da zu sein, in seiner Nähe zu sein. Die Liebe drängt einen in die Nähe der anderen Menschen. Der Liebe ist es aber, wie gesagt, auch wichtig, das Beste des Anderen zu suchen. Und ich denke, wenn diese beiden Elemente zusammenkommen, dass man bei den Menschen ist und aufrichtigen Herzens ihr Bestes sucht, dann entspringt Mitgefühl und Mitleid ganz natürlich.
[7:45] Beispielsweise war ich einmal vor einigen Jahren auf einer Reise in Afrika gewesen, und wir sind dort als Gruppe in ein Waisenheim gegangen. Wir haben dort Zeit mit den Kindern verbracht, wir haben geholfen, was dort auch immer anlag. Wir haben Dächer gedeckt, wir haben Inneneinrichtungen gemacht, wir haben alle möglichen Sachen gemacht, die dort geholfen werden konnten. Was haben wir also getan? Wir sind unter die Menschen gegangen, wir sind zu ihnen hingegangen, wir wollten das Beste für sie, wir wollten ihnen einfach helfen, um das Beste bei ihnen zu fördern. Und wisst ihr was? Die natürliche Konsequenz war, dass wir Mitgefühl mit den Leuten hatten. Uns waren die Leute nicht egal. Sprich, wenn wir irgendwo hingehen, Menschen kennenlernen, persönlich kennenlernen und dann Anteil nehmen an ihrem Leben, dann ist es ganz natürlich, dass Mitgefühl entspringt.
[8:47] Jetzt ist es aber so, dass die Not beispielsweise damals in Simbabwe, in Afrika, sehr, sehr groß war. Die Not war quasi greifbar in der Luft. Das war in dem Jahr, wo die Wirtschaft in Simbabwe völlig kaputt gegangen ist, zerbrochen ist ohne Ende. Wir haben gesehen, wie Leute hunderte von Metern angestanden haben, um ein Weißbrot zu kaufen. Die Not der Menschen war groß. Sie haben gehungert, ihnen ging es nicht gut, es gab kaum noch was zu kaufen, es war wirklich keine leichte Situation. Und natürlich erweckt das Mitleid. Allein, dass menschliche Nöte da sind, Hunger, Leid, oder wenn man dann beispielsweise gehört hat, dass etwa ein Drittel der Bevölkerung HIV-positiv ist, dann sind das Sachen, wo man denkt: Entweder sind mir die Leute egal, aber wenn ich Interesse an ihnen habe, wenn ich ihnen irgendwie helfen will, dann hat man Mitleid. Wenn man sie kennenlernt und sieht die Not, dann hat man automatisch Mitleid.
[10:05] Aber es gibt auch noch ein Mitleid, was über dieses rein menschliche Mitleid weit hinausgeht. Und das wollen wir anschauen, was Jesus gefühlt hat in Bezug auf die gesamte Menschheit. Wenn wir beispielsweise einfach mal den Epheserbrief aufschlagen. In Epheser 2, Vers 1 steht folgendes: "Auch euch, die ihr tot wart in Übertretungen und Sünden, in denen ihr einst gelebt habt." Wir müssen nicht unbedingt weiterlesen. Es kommt mir erstmal nur auf diesen Aspekt an. Da werden Menschen beschrieben, die einst tot waren in Übertretungen und Sünde. Und das ist es im Grunde genommen, wie Gott uns sieht. Wir sind geistlich tot. Wir sind tot geboren. Wir kommen auf diese Welt, ohne dass wir uns dafür entschieden haben. Adam und Eva haben sich entschieden, aber die gesamte Menschheit danach hat sich nicht entschieden und ist trotzdem tot geboren. Geistlich tot. Und Gott wünscht sich das Beste für uns. Er möchte uns das Beste, was er hat, anbieten. Und das Beste, was er hat, ist Leben. Leben möchte er uns geben, die wir eigentlich tot sind.
[11:34] Ein anderes Bild, um das Ganze zu veranschaulichen, drückt Jesus folgendermaßen aus, wenn wir wieder zurückgehen ins Matthäusevangelium. In Matthäus Kapitel 9 schauen wir uns den Vers 36 an. Matthäus Kapitel 9, Vers 36, da heißt es über Jesus: "Als er aber die Volksmenge sah, empfand er Mitleid mit ihnen, weil sie ermattet und vernachlässigt waren wie Schafe, die keinen Hirten haben." Jesus sieht Menschen und sieht vielleicht auch, dass sie vielleicht noch nichts gegessen haben. Und wir lesen ja auch diese Geschichten, wo er die Speisung der 5.000 hat, wo er auch den physischen Bedürfnissen nachgeht, dass er ihnen auch auf der Ebene hilft. Aber in diesem Vers sieht er Menschen an und sieht viel, viel tiefer. Es geht nicht nur um das Hier und Jetzt, um die vielleicht gerade aktuellen Bedürfnisse und Nöte, sondern er sieht: Die Menschheit ist völlig planlos. Die Menschheit hat keinen Hirten, keine Führung. Sie wissen nicht, was gut und richtig ist. Sie wissen nicht, wo das Leben hingeht. Sie wissen nicht, wie ihr Zustand ist. Sie sind hoffnungslos. Ganz viele negative Eigenschaften oder Beschreibungen könnte man da anführen. Sie haben kein Fundament in ihrem Leben. Er sieht, dass sie einen Hirten brauchen, jemanden, nach dem sie sich richten können, an den sie sich wenden können, der ihnen helfen kann in ihrer wirklichen Not ihres Herzens, was über das Leben hinausgeht. Etwas, was ewigen Wert hat. Und so sieht er diese Menschenmenge und empfindet Mitleid. Mitleid, dass das gesamte Leben dieser Menschen eigentlich in eine falsche Richtung läuft.
[13:54] Erkennen wir den Unterschied zwischen den gerade aktuell notwendigen, vielleicht physischen Bedürfnissen, aktuellen kleinen Dingen des Alltags, die das Leben auch schwierig gestalten können? Ja, auch über diese Dinge hat Gott Mitleid mit uns. Gottes Herz wird berührt durch die kleinsten Dinge, die unser Leben beeinträchtigen könnten. Aber, und das ist etwas, was ich wirklich sehr betonen möchte: Das Wichtigste für Gott ist nicht, dass wir heute, einfach nur heute, losgelöst durch den Tag kommen. Ja, das ist wichtig, aber Gott hat ein viel weiterliegendes Ziel, ein viel größeres Ziel mit uns, dass wir ewig mit ihm leben können. Das ist das wichtigste Ziel und das erregte von Jesus das höchste Mitgefühl.
[14:58] Wir sehen es auch in der Geschichte von von Lazarus. Lazarus ist gestorben. Die Menschen weinen, sie halten eine Trauerklage. Natürlich dadurch, dass Jesus bei ihnen war und Zeit mit ihnen verbrachte und mit ihnen mitfühlte, natürlich sind auch seine Gefühle bewegt worden. Aber wenn da gesagt wird, dass Jesus geweint hat, dann geht es, denke ich mal, nicht primär darum, dass er gerade über Lazarus weinte und traurig war, weil er wusste doch, dass in ein paar Stunden er ihn wiedersehen würde. Er wäre wieder, er war und wurde wieder lebendig. Sondern es ging darum, dass die Menschen nicht wissen, dass sie keine Hoffnung haben, dass Auferstehung möglich ist, dass da ein Plan für ihr Leben ist, dass sie nicht verzweifeln müssen. Darüber weinte Jesus noch viel mehr.
[15:54] Oder Jesus stand vor Jerusalem und die Jünger zeigen ihm die Prächtigkeit des Tempels und Jesus wird betrübt und sagt: "Jerusalem, wie oft wollte ich dein Hirte sein, wie oft wollte ich dich versammeln und beschützen, wie eine Henne ihre Küken beschützt. Wie oft wollte ich dir helfen, das Beste für dich suchen, aber du wolltest nicht." Das erregt das größte Mitgefühl im Herzen Jesu und dadurch sehen wir, dass es auch das Herz des Vaters im Himmel, unseres Gottes, bewegt.
[16:42] Und die Frage, die wir uns jetzt stellen können, ist die folgende: Es gibt also offensichtlich eine Verbindung zwischen dem, dass wenn man Zeit mit Menschen verbringt, nicht ziellos, sondern wenn man mit ihnen lebt und für sie wirklich das Beste sucht, dass dann automatisch in unserem Herzen Mitgefühl und Barmherzigkeit entspringen können. Aber es gibt durchaus auch Hinderungsgründe, warum es vielleicht nicht entstehen kann.
[17:24] Da schauen wir uns beispielsweise mal an, das Problem, dass wir möglicherweise selbst den Hirten noch nicht kennengelernt haben. Was meine ich damit? Was heißt das ganz praktisch? Wenn man beispielsweise in der letzten Zeit die Nachrichten gesehen hat, wenn man sieht, dass es Attentate, Terroranschläge, Krieg und verschiedene schlimme Dinge in den Nachrichten gibt, wie reagiert man da drauf? Reagiert man darauf, dass man sagt: Es ist alles so schlecht, ich habe Angst, es könnte ja sein, dass auch mir da in der Richtung irgendwas passiert. Wisst ihr, als ich heute Morgen zum Beispiel hierher gefahren bin, da kamen auf einmal bestimmt zehn, zwanzig Blaulichtautos an mir vorbeigefahren. Ich weiß nicht genau, was es war, ich glaube, es war das Technische Hilfswerk oder so, vielleicht war es auch Polizei, ich weiß es nicht. Aber ich kann mir vorstellen, dass der eine oder andere, der dort gefahren ist und diese ganzen Autos vorbeifahren hat sehen, sich gefragt hat: Ist jetzt auch was passiert? Ist hier in Stuttgart auch was los? Ist vielleicht was passiert? Soll ich mich in Acht nehmen? Soll ich vielleicht lieber nicht in die Stadt reinfahren? Menschen haben Angst.
[18:44] Menschen, die nicht den Hirten haben, die nicht wissen, dass Gott immer gut mit uns ist, die nicht wissen, dass der Hirte sie beschützen kann in jeglicher Situation, oder wenn er sich entscheidet, es nicht zu tun, gute Gründe dafür hat, aber trotzdem ein viel höheres und besseres Ziel damit verfolgt. Menschen, die diesen Hirten nicht kennen, können verzweifelt sein. Wenn wir den Hirten aber vielleicht auch nicht in der Fülle kennen, wie es vielleicht gut wäre, dann ist da vielleicht in der Situation kein Unterschied zwischen demjenigen, der Gott nicht kennt, und vielleicht mir, der ich Gott eigentlich kenne. Wenn die Person Angst hat und ich auch Angst habe, was bringt mir dann mein Glaube? Was macht das für einen Unterschied? Ich kann nicht barmherzig sein über denjenigen, der Angst hat, wenn ich selber Angst habe. Ich kann nicht als erstes das Mitgefühl für den anderen haben und zeigen, wenn ich selbst erst mal auf mich schaue und denke: Oh, es könnte auch mir an den Kragen gehen, ich gehe mal lieber schnell weg hier. Versteht ihr?
[20:13] Wenn wir den Hirten kennen, dann macht es den Unterschied, dass ich weg von mir schauen kann und auf den anderen schauen kann, weil es nicht um mich geht. Wenn ich von Gottes Liebe erfüllt bin, dann habe ich mehr Gedanken über den anderen als über mich und dann kann ich wahres Mitgefühl haben, was ja Teil der Liebe Gottes ist. Mitgefühl, dass ich denke: Wie kann ich ihm Mut zusprechen, Trost zu sprechen? Wie kann ich zeigen, dass Gott in meinem Leben einen Unterschied gemacht hat? Also ich würde sagen, das erste Hindernis wäre, dass wir selber den Hirten nicht kennen. Deswegen lasst uns den Hirten kennenlernen und ihm vertrauen in jeglicher Situation, weil dann haben wir das Fundament, auf dem wir bauen können und anderen Mitgefühl zeigen können, so wie es gut und richtig ist.
[21:11] Dem vergleichbar ist beispielsweise das, was Jesus in Matthäus 24, Vers 12 anspricht. Da heißt es: "Weil aber die Ungerechtigkeit überhand nehmen wird, wird die Liebe in vielen erkalten." Es passiert so viel Schlimmes, es gibt so viel Korruption und Lug und Betrug in der Welt. Mir sind die anderen Leute wirklich einfach egal. Mir ist egal, wie es ihnen geht, weil er hat sich doch vielleicht selbst in seine miserable Lage reingebracht. Er hat falsche Entscheidungen in seinem Leben getroffen, also soll er die auch ausbaden, soll er doch selbst damit zurechtkommen. Die Ungerechtigkeit ist überall, aber wir sollten aufpassen, dass es nicht uns davon abbringt, das Beste des anderen zu suchen, auch wenn er vielleicht falsche Entscheidungen trifft, auch wenn er vielleicht letzten Endes gar nichts von Gott wissen will. Wir dürfen von Gottes Liebe getrieben Mitgefühl mit jedem Menschen haben, egal welcher Rasse, Nation, Religion, Gesinnung, was es auch immer ist, was den Menschen ausmacht, wie er sich verhält, wie sein Lebensstil ist. Wir können gerade deswegen, weil uns Gottes Liebe drängt dazu, Mitgefühl zeigen, weil wir erkennen, wie schlimm die Lage um die anderen Menschen eigentlich steht.
[22:46] Weil wisst ihr, wir schauen manchmal ganz speziell auf oder uns stechen förmlich die Sünden der anderen Menschen ins Auge. Und dann gibt es Sünden, die uns persönlich beispielsweise besonders abstoßen. Da gibt es, ich will mich jetzt nicht auf irgendwas ganz Konkretes beschränken, aber es mag vielleicht sein, dass du sowas etwas kennst, da tut jemand vielleicht sogar innerhalb der Gemeinde eine Sünde und tief im Herzen denkt man: Das hätte ich nie für möglich gehalten, wie kann der das nur machen? Erheben wir uns zum Richter? Wie geht Gott damit um? Reagiert Gott: "Konntest du mir das nur antun? Stell dich erstmal in die Ecke und bis mein Zorn abgeklungen ist, dann kannst du zu mir kommen?" Nein, Gott sagt: "Kommt immer zu mir, weil ohne mich ist Buße gar nicht möglich, ohne mich ist Umkehr gar nicht möglich." Und wenn wir Gott darstellen sollen in unserem Leben, dann müssen wir lernen, damit umzugehen, wenn uns Sünde begegnet. Ja, dass wir die Sünde hassen und verachten, aber dass wir den Sünder annehmen und ihm Barmherzigkeit geben, dass wir mitleiden mit ihm. Denn wisst ihr, die Sünden, die an die Oberfläche kommen, sind ja letzten Endes nur die Früchte am Ende der langen Kette von falschen Entscheidungen. Woher kommen diese falschen Entscheidungen? Was ist der Hintergrund? Und versteht ihr, wenn wir uns mit der Person beschäftigen und schauen, wo das Problem eigentlich herkommt, dann denken wir nicht mehr über die eine oder andere böse Frucht nach, sondern wir schauen tiefer und fragen uns: Wo kann ich vielleicht unterstützen, wo kann ich helfen?
[24:57] Denn mir ist ja selber geholfen worden. Gott hat auch mir Barmherzigkeit erwiesen. Gott hat mir Mitleid erwiesen, so dass ich aufgrund dessen mich verändern konnte, weil er mir geholfen hat, weil er mir die Kraft dazu gibt, weil ich gelernt habe, ihm zu vertrauen, dass sein Weg der bessere ist. Und durch unser Leben sind wir in der Lage, sind wir fähig dazu, mit Gottes Hilfe andere Menschen auch auf diese Art und Weise zu unterstützen, ihnen Mut zuzusprechen, anstatt sie zu verdammen, ihnen zu helfen, anstatt nur schlecht über sie zu reden oder denken.
[25:42] Ungerechtigkeit und Sünde nimmt in der Welt überhand. Wir sollten aber tunlichst darauf achten, dass unser Herz davon nicht in der Art und Weise beeinflusst wird, dass wir sagen: Will ich nichts mit zu tun haben, ich verunreinige mich ja vielleicht noch, sondern dass gerade durch dieses Auftreten von Sünde und Ungerechtigkeit wir gerade noch motivierter sind, etwas in dieser Welt zu tun, so dass es einen Unterschied macht, dass wir gerade dadurch motiviert sind, noch mehr Mitleid und Mitgefühl mit anderen Menschen zu haben, Barmherzigkeit zu zeigen, wie Gott barmherzig mit uns Menschen umgeht.
[26:25] Insgesamt gibt es viele Dinge, die uns daran hindern, Mitgefühl zu zeigen, die alle etwas mit Ich-Bezogenheit zu tun haben. Wenn ich auf mich selber schaue, wenn ich beispielsweise denke: Die andere Person hat mir Unrecht getan, sie hat mich beleidigt, sie hat mich angegriffen, sie hat mich angelogen, was auch immer. Worum geht es dabei? Es geht um mich. Mir wurde etwas angetan, mir ist Unrecht getan worden. Versuchen wir den Blick zu drehen und auf die andere Person zu schauen und wieder zu sehen: Ja, da ist ein Fehler passiert. Und wir sollen die Fehler ja natürlich nicht wegdiskutieren, aber wie kann ich der Person helfen? Wie kann ich ihr Bestes suchen? Und das Beste ist zu helfen, dass sie die Sünde erkennt, den Fehler erkennt und umkehrt. Aber da muss man schon ein bisschen mit Taktgefühl umgehen und mit Weisheit und wirklich von der Liebe Gottes erfüllt sein, weil wenn ich einfach nur wieder sage: Du hast mir das angetan, in der Hoffnung, dass der andere es erkennt und dadurch umkehrt, dann ist alle Mühe vergebens. Wir wissen, dass Menschen auf diese Art und Weise nicht positiv reagieren.
[28:00] Aber wenn wir vielleicht auf der anderen Seite sehen: Gut, ich akzeptiere die Situation, wie sie gerade geschehen ist, möglicherweise ziehe mich kurz zurück und überlege mir vielleicht, welche Frage könnte ich stellen: Denkst du, dass es vielleicht wirklich der beste Weg war, wie du gerade mit mir umgegangen bist? Nicht in der Hoffnung, na ja, dann verletzt er mich nicht mehr, sondern er tut sich selber keinen Schaden. Er lernt dadurch, dass ich vielleicht liebevoll auf ihn eingehe, viel leichter oder vielleicht wirklich nur auf diese Art und Weise, wie man besser mit anderen Menschen umzugehen hat.
[28:41] Die Ich-Bezogenheit kann aber auch sich dadurch ausdrücken, dass man sich beispielsweise einfach unwohl fühlt in der Gegenwart oder unwohl fühlt zu helfen, oder auch deswegen unwohl fühlt, vielleicht sogar nur Mitleid zu zeigen, weil: Was würden die anderen Leute um mich herum denken über mich, dass ich mich vielleicht herablasse auf die Ebene von so einer Person? Über Jesus wurde viel geredet in der Richtung. Er gibt sich mit Sündern und Zöllnern ab, er lässt von einer Hure sich die Füße küssen. Weiß er denn nicht, was das für Menschen sind? Jesus wusste es genau und Jesus wusste, dass sie einen Hirten brauchen, dass sie eine Führung in ihrem Leben brauchen, dass ohne Hilfe von außen, ohne Gottes Hilfe, es überhaupt keine Hoffnung für diese Menschen gibt. Und so achtete Jesus nicht auf das, wie andere Leute über ihn denken könnten, sondern er sah die Not, weil er bei den Menschen war, weil er immer im Kopf hatte, was ist das Beste, was ich in der Situation jetzt gerade für diese Person tun kann.
[30:10] Und dann entsprang aus seinem Herzen der Liebe Mitgefühl. Aber natürlich blieb es auch nicht nur beim Mitgefühl, sondern aus dem Mitgefühl kamen ja dann Taten, kamen ja dann Aktionen, ein Wort, was er sagen konnte, eine Tat, die er tun konnte, wenn er beispielsweise Kranke geheilt hat oder Sünden vergeben hat oder was auch immer in der Interaktion mit den Menschen dann entstanden ist. Aber durch das Mitgefühl suchte er immer ihr Bestes und das Beste tat er dann, was in der Situation angebracht war.
[30:59] Es könnte aber auch sein, dass wir uns manchmal einfach davor scheuen, Mitgefühl zu zeigen, was sich dann auch in Taten äußert, weil es anstrengend sein könnte. Wir haben ja beispielsweise in der Lektion das Beispiel vom barmherzigen Samariter. Vorher sind schon zwei Leute vorbeigegangen, die sich entweder geekelt haben, nichts damit zu tun haben sollten oder vielleicht neugierig waren, aber es ihnen gerade unpassend war. Aber der barmherzige Samariter, der Samariter, der gehasste Mensch des Volkes Israel, derjenige erbarmt sich, denn er kommt in die Nähe und offensichtlich hat er mehr Liebe von Gott empfangen, hat er mehr Gemeinschaft mit dem wahren Gott im Himmel gehabt als der Levit und der Priester, die vorher da waren. Und dadurch suchte er das Beste des Anderen. Ihm war es nicht egal, was aus demjenigen wird. Er lag dort geschlagen, halbtot auf der Straße und ihm war das nicht egal, sondern er hatte Mitleid, Mitgefühl und das äußerte sich dann in seinen Handlungen.
[32:25] Und die Handlungen waren dann so, dass er etwas auf sich genommen hat, was anstrengend war für ihn, was ihn auch etwas gekostet hat. Und manchmal scheuen wir diese Anstrengung oder diese Kosten, die uns möglicherweise entstehen. Aber wenn wir das Beste des Anderen suchen wollen, dann können wir wie der barmherzige Samariter gar nicht anders, als uns vielleicht selbst sogar der Gefahr aussetzen, indem wir helfen, dass auch uns die Räuber überfallen könnten. Aber wir können nicht anders, weil Gottes Liebe uns drängt.
[32:57] Es ist also die Ich-Bezogenheit das größte Hindernis, dass wir Menschen helfen würden, dass wir Mitgefühl mit ihnen tief und wahrhaftig haben könnten. Aber wenn wir dann so ein bisschen in die Praxis schauen, wenn wir uns beispielsweise anschauen, mein eigenes Leben, wie ist das? Tue ich diese Schritte eigentlich, die uns Jesus als Vorbild mitgibt? Mische ich mich unter die Menschen? Wenn nicht, warum denn nicht? Halte ich mich beispielsweise vielleicht für schüchtern, oder ich bin so beschäftigt, dass ich keine Zeit habe, wahrhaft Gemeinschaft mit anderen Menschen zu pflegen? Bin ich so beschäftigt, dass ich vielleicht gar nicht mal die fünf Minuten ertragen kann, die ich mit anderen Menschen zusammen bin?
[34:05] Gottes Liebe in unserem Herzen bewirkt, dass wir Gemeinschaft mit anderen Menschen suchen. Gott hat nie im Sinn gehabt, dass wir Menschen uns voneinander absondern. Er hat niemanden aufgerufen, in ein Kloster zu gehen, einen Schweigegelübde abzulegen oder sich irgendwie auf eine Art zurückzuziehen. Natürlich für eine bestimmte Zeit kann das gut und richtig und wichtig sein. Wenn wir beispielsweise sehen, dass ein Mose 40 Jahre in die Wüste musste oder auch der Paulus im Neuen Testament. Gott hatte sie dahin geführt, dass sie erst mal ein Stück abseits waren, aber nur, um sich vorzubereiten auf eine Mission, die wieder unter den Menschen geschehen konnte. Gott wünscht sich, dass Menschen Gemeinschaft haben, weil er selber so ist. Ihn drängt es, Gemeinschaft mit Menschen zu haben, mit seiner Schöpfung zu haben.
[35:12] Aber worum geht es bei dieser Gemeinschaft? Geht es bei der Gemeinschaft einfach nur darum, Zeit zusammen zu haben, was ja in sich nicht schlecht ist? Nicht falsch verstehen. Aber wünscht sich Gott Gemeinschaft nur, um eine gute Zeit miteinander zu haben? Nein. Die Liebe Gottes, wie ich schon so oft heute gesagt habe, sie drängt uns, das Beste des Anderen zu suchen. Also wenn wir mit Menschen zusammen sind, dann wollen wir ihnen helfen. Dann drängt uns die Liebe, das Beste von ihnen zu suchen. Wir achten sie höher als uns selbst. Wir nehmen Anteil an ihrem Leben. Wir haben wahrhaftiges, aufrichtiges, tiefes Interesse, was unserem Herzen entspringt.
[36:04] Es ist nicht egal, wie es Menschen körperlich geht. Uns ist nicht egal, dass sie vielleicht Schwierigkeiten auf der Arbeit haben. Uns ist nicht egal, dass sie vielleicht gerade arbeitslos sind. All diese Dinge sind wichtig und gerade durch diese Dinge, wenn wir helfen, können wir durch unser Leben offenbaren, wie Gott wirklich ist. Gott ist selbstlos. Selbstlose Liebe. Und wenn wir von Gottes Liebe selber erfüllt und gedrängt sind, dann sind auch wir selbstlos und das sehen die Menschen. Und sie verstehen, wie Gott wirklich ist. Und dadurch können sie Vertrauen zu Gott gewinnen. Und letzten Endes, wenn wir diese ganzen Schritte weitergehen, wenn das Vertrauen da ist, dann kann man sie in die Nachfolge rufen. Dann wissen sie, worauf sie sich einlassen, wenn sie zu Gott kommen. Dann kennen sie ihn. Dann vertrauen sie ihm und wollen gerne und können es auch in Ewigkeit mit ihm zu leben.
[37:05] Aber wie gesagt, es ist nicht das Allerwichtigste, dass wir einfach nur die normalen Bedürfnisse stillen, dass wir nur auf dieser Ebene helfen, sondern wie Jesus, wie er selbst gesehen hat, dass das Wichtigste eigentlich das ist, dass die Menschen planlos sind, ziellos sind, ohne Hoffnung sind, dass sie umherirren wie Schafe ohne Hirten. Wenn auch wir das erkennen in jedem Leben eines einzelnen Menschen. Jeder Mensch hat ja diese Probleme, weil jeder Mensch auf diese Art und Weise geboren wurde, mit dem Misstrauen zu Gott. Aber dadurch, dass wir mit ihm Gemeinschaft haben, wahres Interesse an ihm haben, kann da was verändert werden, indem wir wirklich ihr Bestes suchen, in normalen Belangen, aber vor allem immer im Hinterkopf zu haben, was das Wichtigste wirklich ist: das ewige Heil, das Vertrauen zu Gott. Das muss unser ganzes Leben prägen. Und dann haben wir halt dieses Mitleid, genau wie Jesus.
[38:26] Und wenn wir uns nicht nur von Jesu Mitleid inspirieren lassen, dass unsere Gefühle erweckt werden, sondern auch, dass wir dann tun wollen, ganz praktisch, was hilft, was in der Situation gerade wirklich das Beste ist. Wir haben in der Lektion gehört, manchmal kann es das Beste für den Menschen sein, des Gegenübers, dass wir einfach nur zuhören, dass wir nichts machen, als einfach nur zuhören. Manchmal ist es gerade gut, etwas zu sprechen, ein Trostwort. In Jesaja heißt es, dass ich den Müden mit einem Wort zu erquicken weiß, dass ich erkenne, was ist gerade die Not, die aktuellste Not, und dass ich dann Gott frage: "Lieber Gott, ich möchte ihm helfen, ich suche das Beste für ihn. Was ist gerade das Beste?" Und das Beste kann sein, zu schweigen. Das Beste kann sein, zu reden. Das Beste kann sein, praktische Hilfe zu leisten. Das Beste kann sein, Gottes Wort zu erklären, was es auch immer ist.
[39:28] Lasst uns aus dem Mitgefühl heraus zu Gott gehen und sagen: "Lieber Gott, ich möchte helfen, was kann ich tun?" Und dann wissen wir, dass wir es nicht in eigener Kraft tun, sondern dass Gott, der ja schon die Werke vorbereitet hat, dass wir nur noch drin wandeln brauchen, dass er schon weiß, was das Beste ist und er wird es uns offenbaren. Und dann müssen wir es nur noch tun und diese Schritte weitergehen, bis letzten Endes der Mensch natürlich immer noch die Entscheidung hat, ob er Gott wirklich vertrauen will oder nicht, ob er in die Nachfolge Gottes will oder nicht. Aber wenn wir uns entscheiden, wir wollen mit den Menschen wirklich mitfühlen, ihr Bestes suchen, dann kann Gott uns Schritt für Schritt führen und viele Menschen werden für sein Reich gewonnen werden.
[40:31] So lasst uns das immer im Hinterkopf behalten, was die große, alles umfassende Aufgabe der Gemeinde ist: Menschen zu Gott zu führen. Aber wir müssen dafür das Vertrauen der Menschen in Gott gewinnen. Wie tun wir das? Indem wir durch selbstlosen Dienst, durch Mitgefühl und Anteilnahme Gott in unserem Leben darstellen. Und ich wünsche dir und mir, dass wir das Tag für Tag erleben, wie Gott durch uns wirken kann, sodass wir einen Unterschied machen können in der Gesellschaft. Gott segne euch dabei. Amen.